Wenn sich der goldene Oktober von seiner besten Seite zeigt und die Eifelwälder rund um die Nürburgring-Nordschleife in strahlenden Sonnenschein getaucht werden, ist die Kulisse für das große Finale der ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken-Serie perfekt. Während im Zeittraining noch feuchte Streckenabschnitte für knifflige Bedingungen sorgten, trocknete der Kurs zusehends ab. Das vierstündige Finale fand schließlich unter durchweg trockenen Bedingungen statt und bot den zahlreichen Fans an der Strecke einen packenden Kampf für die Entscheidung in der Meisterschaft. Mit ihrem insgesamt siebten Klassensieg im zehnten Lauf der Saison krönten sich Edoardo Bugane, Yannick Fübrich und Sven Markert im BMW M240i Racing Cup (#650 Adrenalin Motorsport Team Mainhattan Wheels) zu den neuen NLS-Champions der Saison 2026.

Im finalen Gesamtklassement erkämpfte sich das Trio mit 109 Punkten einen Vorsprung von acht Zählern auf Alexander Fielenbach und Oskar Sandberg (#953 Smyrlis Racing, 101 Punkte), die in der Klasse CUP3 den zweiten Platz belegten. Dieser Erfolg markiert zugleich einen historischen Meilenstein für die Mannschaft von Teamchef Matthias Unger, denn für Adrenalin Motorsport ist es bereits der achte Gesamt-Meisterschaftstitel in der Geschichte der Rennserie. Im Ziel zeigte sich das frischgebackene Meistertrio sichtlich gelöst. „Ein rundum perfektes Rennen und wieder einmal ein fantastischer Job von den Jungs – das Auto lag einfach traumhaft auf der Strecke“, sparte Fübrich nicht mit Lob. Markert kämpfte im Ziel spürbar mit seinen Emotionen: „Ich bin einfach unglaublich erleichtert. Vor lauter Anspannung habe ich gefühlt keine Fingernägel mehr übrig. Wir konnten das Rennen zwar von der Spitze aus kontrollieren, aber die Nervosität vor dem Start war riesengroß.“ Bugane brachte das Resultat überglücklich auf den Punkt: „Alles ist möglich – für uns geht heute ein absoluter Traum in Erfüllung!“

Auch in den Sonderwertungen der Serie fielen die letzten Entscheidungen: Piet-Jan Ooms und Ionuc Catalin Timis krönten sich im Toyota Supra von SRS Team Sorg Rennsport (#524) zu den Siegern der Produktionswagen-Trophäe. Die prestigeträchtige NLS-Speed-Trophäe sicherte sich Schubert Motorsport (#77 BMW M4 GT3 EVO) mit insgesamt 183,00 Zählern. Den Titel in der Gentleman-Trophäe holte sich Alexandru Vasilescu (#177 AV Racing by BLACK FALCON) mit 86 Punkten.

Platz eins und zwei für Gamota im Qualifying
Für die erste Überraschung des Tages hatte bereits das Zeittraining gesorgt, in dem Gamota Racing erstmals zwei GT3-Boliden einsetzte und prompt eine beeindruckende Doppel-Pole feierte. Antal Zsigo, Moritz Kranz und David Jahn (#23 BMW M4 GT3 EVO) sicherten sich mit 9:03,855 Minuten den ersten Startplatz vor ihren Teamkollegen Zsigo, Csaba Walter und Dennis Fetzer (#36). Beim Start verteidigte Pole-Sitter Jahn die Führung, doch dahinter entbrannte sofort ein spektakulärer Schlagabtausch: Adam Christodoulou (#26 PROsport Mercedes-AMG GT3) stieß von Startplatz vier außen herum in Kurve zwei bis auf Rang zwei vor und lieferte sich Rad-an-Rad-Duelle mit dem Falken-Porsche (#44) von Sven Müller. Das GT3-Feld zeigte dabei eine beeindruckende Markenvielfalt – sechs verschiedene Hersteller rangierten in der Anfangsphase auf den ersten acht Plätzen. Ein Feindkontakt warf den PROsport-AMG später zurück und erforderte Reparaturarbeiten mit Panzertape in der Boxengasse.

Porsche-Doppelsieg bei NLS10
Am Ende jubelte Dunlop Motorsport über den Gesamtsieg beim Saisonabschluss: Nico Menzel und Sven Müller (#17 Porsche 911 GT3 R) überquerten nach 24 absolvierten Runden mit einem Vorsprung von 27 Sekunden als Sieger die Ziellinie. Tim Heinemann und Sven Müller (#44 Falken Motorsports Porsche 911 GT3 R) machten auf dem zweiten Rang den Doppelerfolg der Mannschaft perfekt, während Jordan Pepper und Tim Tramnitz (#77 Schubert Motorsport BMW M4 GT3 EVO) nach einer Aufholjagd das Podest komplettierten. Doppelstarter Müller, der sich beim Wechsel vom Falken- in den Dunlop-Porsche nur fünf Runden Pause gönnte, wurde von der ILN, der Rennleitung und den Kommentatoren zum ‚Fahrer des Rennens‘ gekürt.
„Platz eins und zwei für unser Team ist ein absolut perfektes Ergebnis, das Auto hat heute riesigen Spaß gemacht“, resümierte Sven Müller. Für Nico Menzel war der Triumph zudem ein ganz besonderer persönlicher Meilenstein: „Mit meinem fünften NLS-Gesamtsieg bin ich jetzt mit meinem Vater gleichgezogen – es ist einfach genial, dass wir gewonnen haben!“ Auch der Zweitplatzierte Tim Heinemann zog ein durchweg positives Fazit: „Ein Top-Job des gesamten Teams bei der Vorbereitung der Fahrzeuge, dafür ein riesiges Dankeschön.“ Tim Tramnitz, der sich gemeinsam mit Jordan Pepper von Startplatz 16 nach vorne gearbeitet hatte, ergänzte stolz: „Die ersten Runden im Verkehr waren noch ziemlich knifflig, aber am Ende war der dritte Rang von unserer Ausgangslage das absolute Maximum.“

Im Ziel belohnte sich die Gamota-Mannschaft schließlich doch noch für ihren starken Auftritt mit einem zweifachen Klassen-Podium: Die Pole-Sitter (#23) beendeten das Rennen auf dem sechsten Gesamtrang (Platz zwei in der SP9 PRO-AM), während das Schwesterauto (#36) auf dem 13. Gesamtrang ins Ziel kam und damit ebenfalls den zweiten Platz in der Klasse SP9 AM feierte. Den Klassensieg in der Wertung SP9 PRO-AM sowie Platz drei in der Fahrerwertung 2026 sicherten sich Patrick Assenheimer, Tobias Müller und Dylan Pereira (#48 48 LOSCH Motorsport by BLACK FALCON, Porsche 911 GT3 R EVO), während Alexey Veremenko und ‚SELV‘ (#8 JUTA Racing, Audi R8 LMS GT3 EVO II) den Triumph in der Klasse SP9 AM feierten.
„Einfach nur atemberaubend!“: Formel-Talent Mathilda Paatz glänzt beim Nordschleifen-Debüt
Eine besondere Familiengeschichte schrieb beim NLS-Finale Mathilda Paatz. Die mit 18 Jahren jüngste Teilnehmerin im Feld feierte an der Seite ihres Vaters Michael im VW Scirocco R von mathilda racing ihr Langstrecken-Debüt und zeigte sich absolut begeistert: „Es ist etwas ganz anderes als der Formelsport. Mein erster langer Stint war einfach atemberaubend.“ Das gemeinsame Fernziel der Aston-Martin-Juniorin und ihres Vaters ist das 24-Stunden-Rennen in der Grünen Hölle. Teamintern begegnet man sich dabei längst auf Augenhöhe, wie sie mit einem Augenzwinkern verriet: „Er macht das super, zumal er lange nicht mehr selbst gefahren ist und all seine Kraft in mich investiert hat. Dass er mir nun den Traum vom gemeinsamen Rennen erfüllt, ist supercool. Ich hoffe natürlich, dass ich bald noch schneller bin als er – aber fürs erste Rennen war es okay.“ Das Vater-Tochter-Duo beendete das Rennen schließlich auf Platz sechs in ihrer Klasse.
Ein starkes Feld und verdiente Champions: Die Saisonbilanz von NLS-Boss Mike Jäger
Für die Verantwortlichen der ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken-Serie endet mit dem Finale ein sportlich wie organisatorisch erfolgreiches Jahr. Die Entwicklung zeigt dabei klar nach oben: Nahmen im vergangenen Jahr noch durchschnittlich 112 Fahrzeuge das Zeittraining in Angriff, waren es in dieser Saison starke 123 Boliden pro Lauf. „Wir blicken auf eine rundum gelungene Saison mit richtig gutem Motorsport zurück“, zieht NLS-Geschäftsführer Mike Jäger Bilanz. „Wir haben sowohl in der Gesamtwertung als auch in den weiteren Wertungen absolut würdige Champions gesehen. Wir erleben einen deutlichen Aufwärtstrend der Serie. Nach schwierigeren Phasen stehen wir heute wieder auf einem sehr soliden Fundament. Auf diese positive Entwicklung, unsere neuen Meister und die Arbeit des gesamten Teams können wir stolz sein.“
Winterpause mit Simracing und ein historisches Jubiläumsjahr 2027
Bevor die Motoren in der Grünen Hölle jedoch wieder aufheulen, verkürzt die Digitale Nürburgring Langstrecken-Serie (DNLS) die Winterpause. Das offizielle Simracing-Pendant zur NLS startet am 19. Dezember in die neue Saison und bringt die packende Nordschleifen-Action direkt auf die Bildschirme der Fans. Wenn das reale Renngeschehen dann am 20. März 2027 mit dem Saisonauftakt zurückkehrt, stehen die Ampeln für ein absolutes Motorsport-Fest auf Grün: Die Traditionsrennserie feiert ihr 50-jähriges Bestehen – und das zeitgleich mit dem historischen 100. Geburtstag des Nürburgrings.
Hinweis: Aufgrund laufender Berufungsverfahren sind die Ergebnisse von NLS9 und NLS10 vorläufig und damit auch der Tabellenstand. Die vorderen Positionen in der Gesamtwertung sind von dem Ausgang der Verfahren jedoch nicht betroffen.













