Falken Motorsports schlägt eindrucksvoll zurück

Nach dem hauchdünnen Fotofinish vom Vortag schlug Falken Motorsports beim 66. ADAC ACAS Cup (NLS9) am Sonntag zurück. Bei teils schwierigen Wetterbedingungen feierten Tim Heinemann und Morris Schuring im Porsche 911 GT3 R von der Pole-Position aus gestartet den Gesamtsieg. Direkt dahinter sicherten Nico Menzel und Flynt Schuring im Schwesterauto einen überlegenen Doppelerfolg für das Team von Sven Schnabel. Das rein von Porsche dominierte Podium komplettierten Patrick Assenheimer, Tobias Müller und Dylan Pereira im Porsche 911 GT3 R EVO von 48 LOSCH Motorsport by Black Falcon (#48), die sich trotz Turbulenzen den Sieg in der SP9 Pro-Am sicherten.

Hauchdünnes Zeittraining und Startgetümmel

Schon im Zeittraining schenkten sich die Piloten nichts. Polesitter Heinemann schwärmte nach dem Qualifying von einer „perfekten Runde“, wie man sie im Motorsport nur selten erlebt. Die Konkurrenz saß ihm jedoch dicht auf den Fersen: Tobias Müller lag im Black-Falcon-Porsche nur winzige 0,020 Sekunden zurück. Die ersten vier Autos lagen innerhalb von 00.460 Sekudnen. Beim fliegenden Start krachte es sogleich in der AMG-Arena: Vortagessieger Ugo de Wilde (Schubert-BMW) versuchte sich innen an Nico Menzel vorbeizudrücken. Nach einer leichten Berührung musste Menzel aufmachen, ehe der BMW kurz darauf auch noch von ‚Daan Arrow‘ getroffen wurde und weit zurückfiel. In Runde acht endete der Arbeitstag für den Schubert-BMW nach einem Einschlag im Brünnchen schließlich vorzeitig.

Reifen-Gamble, Schreckmomente und wilde Dreher

Als in der Eifel der Regen einsetzte, entwickelte sich ein nervenaufreibendes Strategie-Roulette zwischen Slicks und Regenreifen. Für das Trio von Black Falcon wurde das Rennen zur absoluten Achterbahnfahrt: Erst übersah Tobias Müller eine Code-60-Tafel und fuhr auf den VW Golf GTI von Thomas Schönfeld auf, was eine verbogene Felge und eine spätere Durchfahrtsstrafe nach sich zog. Wenig später folgte der Schreckmoment des Tages, als Müller sich in der ultraschnellen „Mut-Kurve“ auf nasser Piste drehte – und das Auto wundersam ohne die Streckengrenzung zu berühren abfing. „Der Dreher, die Durchfahrtsstrafe und so weiter – ich glaube, wir können superstolz sein, dass wir hier auf dem Gesamtpodium stehen“, schnaufte Müller im Ziel erleichtert durch. Patrick Assenheimer ergänzte zur Taktik: „Wir haben es ganz gut regeln können, indem wir dann früher gestoppt haben, wo die Bedingungen einfach zu schlecht wurden für Slicks.“

Aufholjagd im Regenguss und Schuring-Familienfest

An der Spitze entbrannte derweil ein brüderlicher Schlagabtausch: Morris Schuring führte das Feld zeitweise vor seinem jüngeren Bruder Flynt an. Für GT3-Debütant Flynt war es eine echte Feuertaufe: „Mein erstes Wochenende im GT3, das noch auf der Nordschleife und dann in so einem Rennen mit Slicks im Regen – es war super schwierig, aber ich bin mega froh.“

An der Boxengasse verfolgte Vater Gerwin Schuring – einst selbst Gesamtsieger auf dem Nürburgring – stolz den Doppelerfolg seiner Söhne. Sieger Morris Schuring strahlte nach dem Zieldurchlauf: „Ich war schon froh, in der Boxengasse zuzuschauen, aber ich habe auch immer Vertrauen in Tim gehabt. Das fühlt sich alles so normal an, aber wahrscheinlich gucken wir in zwei oder drei Wochen zurück und denken: Das war eigentlich schon geil.“

„Motorboot fahren“ in der Eifel und die Helden des Tages

In den letzten Runden verwandelte sich die Strecke in eine Seenplatte. Breidscheid, Fuchsröhre und Schwedenkreuz wurden zur Rutschbahn. „Aufregend ist sehr, sehr untertrieben“, berichtete Sieger Heinemann. „Ich habe noch nie so schlechte Bedingungen erlebt wie heute. Aquaplaning jede Kurve, jede Gerade. Ich bin wirklich froh, dass wir da unbeschadet durchgekommen sind.“ Auch der Zweitplatzierte Menzel schnaufte durch: „Am Ende jetzt war es fast wie Motorboot fahren. So viel Aquaplaning, die eine oder andere Herzattacke war dabei, aber das haben wir ganz gut gemanagt.“

Die Trophäe „Fahrers des Tages“ ging an Moritz Oberheim (#962 AVIA W&S Motorsport). Nachdem er am Samstag nach einem Trainingsunfall tatenlos zusehen musste, feierte er am Sonntag mit Pole-Position, Start-Ziel-Sieg in der CUP 3 und der Auszeichnung der ILN, Rennleitung und der TV-Moderatoren eine triumphale Rückkehr: „Es bedeutet mir sehr, sehr viel. Ich weiß, dass hier viele gute Fahrer unterwegs sind. Heute war tatsächlich ein guter Tag – es ist mir eine Ehre, diese Trophäe entgegenzunehmen.“

Titelkampf vertagt: Erste Nullnummer für die Spitzenreiter

Hochdramatisch entwickelte sich das Rennen auch mit Blick auf die NLS-Gesamtwertung: Das bis dato unangefochten führende Adrenalin-Trio Edoardo Bugane, Yannick Fübrich und Sven Markert musste den BMW M240i mit einem technischen Defekt vorzeitig abstellen und abgeschleppt werden – für die Tabellenführer war es die allererste Nullnummer in diesem Jahr. Die Verfolger nutzten die Gunst der Stunde: Alexander Fielenbach und Oskar Sandberg verpassten im Porsche 718 Cayman GT4 CS zwar den Klassensieg in der CUP3 an Moritz Oberheim und Lorenz Stegmann, sammelten mit dem zweiten Platz aber wertvolle Zähler. Dadurch rücken Fielenbach/Sandberg bis auf vier Punkte an die Tabellenspitze heran.

Auch in der Produktionswagen-Trophäe 2026 hat sich das Blatt nach dem intensiven Double Header gewendet: Piet-Jan Ooms und Ionuc Catalin Timis im Toyota Supra (SRS Team Sorg Rennsport) sowie das Trio Philipp Leisen, Philipp Stahlschmidt und Daniel Zils im BMW 330i (Adrenalin Motorsport Team Mainhattan Wheels) waren punktgleich in der Klasse VT2-RWD in die Eifel gereist. Nach hart umkämpften Duellen an beiden Renntagen krönten Ooms und Timis ihr Wochenende schließlich am Sonntag mit dem Klassensieg direkt vor ihren Adrenalin-Rivalen, die sich mit Rang zwei begnügen mussten. Durch diesen Erfolg übernimmt das Sorg-Duo die alleinige Tabellenführung in der Produktionswagen-Trophäe und reist nun ebenfalls mit vier Punkten Vorsprung zum großen Saisonfinale im Oktober.

Die Entscheidung um die NLS-Krone fällt somit erst beim großen Finale am 10. Oktober 2026. Bei der 2. NLS Sportwarte-Trophy (4h) wird der allerletzte Sieg der Saison ausgefahren – und der neue Meister gekrönt. Fans sollten sich das Saisonfinale nicht entgehen lassen: Tickets für den entscheidenden Renntag sind ab 25 Euro (Kinder bis einschließlich 14 Jahre frei) auf VLN.de/tickets sowie an den Tageskassen erhältlich und beinhalten gewohnt den Zugang zu Tribünen, Fahrerlager, Boxengasse, Gridwalk sowie den beliebten Zuschauerbereichen Brünnchen und Pflanzgarten.