Hauchdünner Triumph auf der Nordschleife: Schubert Motorsport gewinnt Fotofinish bei NLS8

Das 65. ADAC Reinoldus-Langstreckenrennen bot den Fans an der Nürburgring-Nordschleife vier Stunden lang erstklassigen Langstreckensport und ein hochdramatisches Finale: Nach 27 absolvierten Runden sicherte sich Schubert Motorsport den Gesamtsieg beim achten Lauf der ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken-Serie. Jens Klingmann, Jordan Pepper und Ugo de Wilde überquerten die Ziellinie im BMW M4 GT3 EVO mit einem hauchdünnen Vorsprung von lediglich 0,308 Sekunden. Knapp dahinter belegten Tim Heinemann und Morris Schuring im Porsche 911 GT3 R von Falken Motorsports den zweiten Rang. Einen historischen dritten Platz auf dem Gesamtsiegerpodest holten sich Dominik und Marcel Fugel zusammen mit Benjamin Leuchter für Max Kruse Racing im Audi R8 LMS GT3 EVO II. Das Trio feierte damit nicht nur den unangefochtenen Klassensieg in der AT 1, sondern trug sich als erste Mannschaft überhaupt in die Geschichtsbücher ein, die mit einem GT3-Fahrzeug und E20-Kraftstoff einen Podestplatz in der Gesamtwertung erzielte.

Im Zeittraining unterstrich das Feld das hohe Leistungsniveau der Serie. Die ersten zwölf Fahrzeuge lagen innerhalb von gerade einmal zehn Sekunden. Die Pole-Position sicherte sich das Trio Antal Zsigo, Moritz Kranz und David Jahn im BMW M4 GT3 EVO von Gamota Racing mit einer Rundenzeit von 7:53.343 Minuten. Eine Rückversetzung verkraften musste dagegen das Team Dunlop Motorsport: Nico Menzel und Flynt Schuring wurden nach einer Kollision in der Anfangsphase des Trainings von der achten Startposition auf den elften Rang zurückgestuft, zeigten im Rennen jedoch eine eindrucksvolle Aufholjagd bis auf den fünften Gesamtrang hinter dem viertplatzierten Mercedes-AMG GT3 des Mercedes-AMG Team RAVENOL.

Falken Motorsports errang Platz zwei im Rennen

Taktische Boxenstopps und wechselnde Spitzenreite

Der Tagessieg war über die 27 Umläufe hinweg hart umkämpft. Direkt nach dem Start übernahm Pepper im Schubert-BMW in der AMG-Arena die Führung von den Polesittern. In den ersten Runden lieferten sich der Schubert-BMW und der Gamota-BMW an der Spitze sehenswerte Positionskämpfe – inklusive eines mutigen Überholmanövers am Schwedenkreuz.

Durch unterschiedlich getaktete Boxenstopp-Strategien wechselte die Gesamtführung im Rennverlauf mehrfach. Der später drittplatzierte Audi R8 von Max Kruse Racing nutzte ein längeres erstes und drittes Stint-Fenster und führte das Gesamtfeld zeitweise an. Benjamin Leuchter ordnete die historische Bedeutung des Erfolgs im Ziel ein: „Für uns ist das riesig. Wir sind das erste AT-GT3-Auto auf dem Gesamtpodium in einem Feld mit 27 GT3-Autos. Das macht uns sehr stolz und ich bin einfach glücklich, dass der Knoten jetzt geplatzt ist und wir auch mal kein Pech hatten.“ Auch die Teamkollegen Marcel und Dominik Fugel zeigten sich begeistert über die Leistung der Mannschaft, die allen Rückschlägen der Saison zum Trotz den Audi perfekt vorbereitet hatte: „Wir haben heute alle drei wirklich abgeliefert. Dafür, dass wir das gar nicht hauptberuflich machen, war das gar nicht so schlecht.“

Historischer Erfolg für den MKR-Audi: Der erste AT-GT3 auf dem Podium

Falken Motorsports übernahm nach der ersten Boxenstoppphase die Spitze und lag auch später erneut ganz vorne. Morris Schuring blickte auf das enge Duell zurück: „Das war cooles Racing. Ich hatte beim Überrunden ein bisschen Pech mit einem Aston Martin, was vielleicht den Ausschlag gegeben hat, aber es hat riesigen Spaß gemacht.“ Tim Heinemann zog ebenfalls ein positives Fazit: „Das war genau das, was die Fans sehen wollen: enges, hartes Racing. Am Ende hat es für uns leider nicht ganz gereicht, aber wir sind trotzdem zufrieden.“

Für Turbulenzen in der Anfangsphase sorgte eine Kollision in der AMG-Arena zwischen dem Ford Mustang GT3 vom Haupt Racing Team (Vincent Kolb / Frank Stippler) und dem Porsche 911 GT3 R vom BLACK FALCON Team EAE (Daan Arrow / Mustafa Mehmet Kaya / Mike Stursberg). Trotz eines Drehers kämpfte sich das BLACK FALCON Team EAE zurück und sicherte sich souverän den Klassensieg in der SP9 Am (Gesamtrang elf). Der Mustang schied vorzeitig aus. Den Sieg in der SP9 Pro-Am feierte 48 LOSCH Motorsport by BLACK FALCON mit Patrick Assenheimer, Tobias Müller und Dylan Pereira im Porsche 911 GT3 R EVO auf Gesamtrang sechs.

Black Falcon sicherte sich die SP9 PRO-AM- und AM-Wertung

Das Rennen um den Gesamtsieg entschied sich nach dem letzten Boxenstopp, als Schubert Motorsport in Runde 24 wieder die Spitze übernahm. In den verbleibenden Umläufen setzten Heinemann und Schuring den führenden BMW unter Dauerdruck und blieben Stoßstange an Stoßstange. Schubert Motorsport verteidigte die Linie jedoch fehlerfrei und überquerte nach vier Stunden mit 0,308 Sekunden Vorsprung die Ziellinie. Sieger Jens Klingmann resümierte freudestrahlend: „Das war wirklich Motorsport vom Feinsten – genau das, was wir uns als Fahrer wünschen und die Fans sehen wollen. Bei NLS6 haben wir noch mit zwei Zehnteln Rückstand verloren, heute haben wir gewonnen. Auf der Döttinger Höhe hatte ich schon das Gefühl, es reicht, aber durch Überrundungsverkehr wurde es noch einmal richtig eng. Umso schöner, dass es am Ende gereicht hat.“ Das Team aus Oschersleben hatte am Samstag übrigens doppelt Grund zu feiern: Auf dem Sachsenring entschied Marco Wittmann im BMW M4 GT3 das erste DTM-Rennen für sich.

Schubert kämpfte von Beginn an um den Sieg

Wimpernschlag-Finish in der BMW M2-Klasse und Erfolge in den Markenpokalen

Nicht nur an der Spitze des Feldes sorgte ein Fotofinish für Herzrasen: Ein nahezu identisch dramatisches Ende erlebten die Zuschauer in der Klasse BMW M2. Nach vier Stunden Renndistanz setzte sich Ranko Mijatovic für Hofor Racing by Bonk Motorsport im BMW M2 Racing mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,352 Sekunden gegen das Duo Marc David Müller und Henrik Seibel durch. In der stark besetzten Klasse CUP2 (Porsche 911 GT3 Cup) dominierte das BLACK FALCON Team ZIMMERMANN: Alexander Hardt, ‚Benjamin Hites‘ und Benjamin Koslowski fuhren auf einem hervorragenden 13. Gesamtrang zum Klassensieg.

Das Trio von Adrenalin Motorsport Team Mainhattan Wheels verteidigte die Tabellenführung

Titelkampf bleibt hochdramatisch: Gleichschritt an der Tabellenspitze

Im Kampf um die Gesamtwertung der ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken-Serie schenkten sich die Top-Favoriten nichts. Das führende Trio Edoardo Bugane, Yannick Fübrich und Sven Markert im BMW M240i Racing Cup für das Adrenalin Motorsport Team Mainhattan Wheels setzte seine makellose Serie fort und feierte den nächsten Klassensieg. Doch auch die direkten Verfolger im Titelrennen gaben sich keine Blöße: Alexander Fielenbach und Oskar Sandberg entschieden für Smyrlis Racing im Porsche 718 Cayman GT4 CS die Klasse CUP3 für sich. Da beide Titelanwärter die volle Punkteausbeute einfuhren, bleibt der Stand an der Tabellenspitze unverändert.

Alexander Fielenbach und Oskar Sandberg belegen in der Tabelle Rang zwei

Es geht Schlag auf Schlag weiter

Viel Zeit zum Durchatmen haben die Teams und Piloten nicht: Bereits am morgigen Sonntag geht es beim 66. ADAC ACAS Cup in die nächste Runde. Für Fans vor Ort bietet auch der Sonntag wieder volle Nordschleifen-Action. Tickets sind für 25 Euro pro Tag (Kinder bis einschließlich 14 Jahre frei) unter VLN.de/tickets sowie an den Tageskassen erhältlich und beinhalten den Zugang zu Tribünen, Fahrerlager, Boxengasse, Startaufstellung sowie den Zuschauerbereichen Brünnchen und Pflanzgarten. Der Zeitplan ist identisch: Das Zeittraining startet um 08:30 Uhr, gefolgt vom Pitwalk (10:20 Uhr) und Gridwalk (11:10 Uhr), bevor um 12:00 Uhr das vierstündige Rennen freigegeben wird. Daheimgebliebene verfolgen das Geschehen ab 08:15 Uhr im Livestream auf VLN.de sowie über „Radio Nürburgring“ auf rpr1.de und in der RPR1-App.