Carsten Schumacher, Geschäftsführer der CNG, über das Geschäftsmodell Nürburgring, die Weiterentwicklung der Rennstrecke und die Zusammenarbeit mit der VLN.
Welche Erkenntnisse und Konsequenzen ziehen Sie als Geschäftsführer der capricorn NÜRBURGRING GmbH aus dem Unfall beim Auftakt der VLN Ende März auf der Nordschleife?
Die Sicherheit auf dem Nürburgring ist eine zentrale Aufgabe, der wir uns stellen und die für uns alle höchste Priorität hat. Wir haben unmittelbar nach dem Unfall reagiert und gemeinsam mit dem DMSB Maßnahmen beschlossen, die dazu führen, dass der Rennbetrieb auch 2015 uneingeschränkt stattfinden kann. Darüber hinaus überlegen wir für die kommende Rennsaison 2016, wie wir durch weitere Maßnahmen die Sicherheit für Rennfahrer und Zuschauer noch weiter erhöhen können.
Inwiefern wirft der Unfall Sie in Ihren Planungen und Vorhaben zurück?
Der Unfall ist tragisch und hat uns alle sehr nachdenklich gemacht. Aber nein, er wirft uns nicht zurück. Im Gegenteil. Er ist für uns Motivation und Ansporn zugleich, um die aktive und passive Sicherheit am Nürburgring noch weiter zu erhöhen.
Seit dem 1. Januar 2015 ist die CNG die neue Betreibergesellschaft der Rennstrecke. Was ist für den VLN-Zuschauer und Nordschleifenfan seitdem neu?
Abgesehen von den neuen Sperrzonen in bestimmten Streckenbereichen halten wir an den Dingen fest, die sich für den Motorsportfan bewährt haben. Wir haben sehr attraktiven Sport auf der Nordschleife, und wir bemühen uns, diesen Sport weiterzuentwickeln. Die VLN befindet sich auf einer Reise, wie eigentlich alle Veranstaltungen. Wir wollen uns nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen. Wir überlegen ständig, wie wir erfolgreiche Formate noch erfolgreicher machen können. Veränderungen brauchen Zeit. Das passiert nicht von heute auf morgen. Die Fans werden auch in Zukunft am Nürburgring beim Motorsport auf ihre Kosten kommen.
Die Parkplätze an der Nordschleife sind erstmals gebührenpflichtig. Ist das der Anfang davon, dem Fan in die Tasche zu greifen?
Wir können es uns nicht leisten, dass für eine Leistung, die wir erbringen, nicht bezahlt wird. Und gute Leistungen haben ihren angemessenen Preis. Das gilt auch für die Bewirtschaftung der Parkplätze. Unser Geschäftsmodell beruht darauf, dass wir als Dienstleister – und gemeinsam mit dem jeweiligen Veranstalter – eine optimale Leistung erbringen. Wenn der VLN-Zuschauer sein Auto an der Nordschleife auf einem anständigen Parkplatz in erreichbarer Nähe sicher abstellen kann, akzeptiert er, dafür zu zahlen. Unser Preis-Leistungsverhältnis ist vernünftig. Insgesamt ist es so, dass das Gesamtgeschäftsmodell funktionieren muss. Der Nürburgring muss als privates Unternehmen Umsätze erwirtschaften, damit auch die anfallenden Kosten beglichen werden können. Seitdem der Nürburgring keine Gelder oder Subventionen der Landesregierung erhält, muss er auf eigenen Füßen stehen.
Der Nürburgring wird privat betrieben. Inwiefern profitiert der Zuschauer gerade davon?
Der Zuschauer profitiert davon momentan eher indirekt. Wir müssen doch ganz klar festhalten, dass es hier in der Vergangenheit eine existenzbedrohende Situation gab. Es gab ein Geschäftsmodell, das nicht funktionierte, nicht funktionieren konnte. Nicht selbsttragende Geschäftsmodelle werden zukünftig komplett von der Landkarte verschwinden, denn Sie können solche Geschäftsmodelle nicht auf Dauer subventionieren. Insofern ist es selbstverständlich unsere Aufgabe, hier Geld zu verdienen. Wir brauchen dieses Geld, um die Rennstrecke instandzuhalten und um in ihre Weiterentwicklung zu investieren. Und dafür brauchen wir Gewinne. Das ist nicht nur legitim, sondern absolut notwendig, damit auf dem Nürburgring langfristig Rennsport stattfinden kann. Daran arbeiten wir.
Wie ist die Qualität der Beziehung zwischen CNG und VLN?
Persönlich hervorragend. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Karl Mauer. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und habe auf Seiten der VLN einen sehr professionellen Gesprächspartner.













