Blitz-Schlag

Der dritte Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft war für Kissling Motorsport mehr als ein letzter Test für das anstehende 24h-Rennen. Schließlich geht es dem Team um die Titelverteidigung. Doch das sonst erfolgsverwöhnte Team aus Bad Münstereifel mit dem schnellen Trio Marco Wolf, Jürgen und Heinz-Otto Fritzsche, musste im Kampf um die Meisterschaft einen herben Rückschlag hinnehmen.

Die Test- und Einstellfahrt am Freitag stand für das Team komplett unter dem Test-Stern: Die amtierenden Meister wollten den sonnigen Tag nutzen, um den Opel Astra GTC auf Funktion zu prüfen. Gleichzeitig wollte Teamchef Stefan Kissling herausfinden, ob der eliminierte Fehlerteufel aus dem zweiten Lauf tatsächlich beseitigt war. Die anvisierten Ziele konnten jedoch nicht erfüllt werden, denn durch einen Schaltfehler von Jürgen Fritzsche quittierte der Motor frühzeitig seinen Dienst. Erst in der heimischen Werkstatt in Bad Münstereifel wurde das Schadenausmaß des „einfachen“ Schaltfehlers ersichtlich. Sämtliche Ventile hatten Kontakt mit den Kolben geknüpft und waren krumm. Für die Mechaniker bedeutete dies eine weitere Nachtschicht und erst nach Mitternacht gab der Opel Astra GTC sein bekannt aggressives Fauchen von sich.

Sonnenschein und angenehme Temperaturen sorgten am Samstagmorgen für allgemein gute Stimmung im Fahrerlager und auch die Mannschaft von Kissling Motorsport war zum offiziellen Zeittraining guter Dinge. Heinz-Otto Fritzsche startete zuerst in das Zeittraining, fuhr zwei Runden über den verkürzten Grand Prix-Kurs, um dann die Nordschleife eine Runde lang unter die Räder zu nehmen. Heinz-Otto Fritsche nutzte die Runde nicht zum Erreichen einer Bestzeit, sondern vielmehr zur Funktionskontrolle. Er übergab den Wagen mit zufriedenem Lächeln an den Youngster im Fahrertrio, Marco Wolf, der in seinem Turn zwar nicht auf die Bremse trat, aber auch nicht ans Limit ging. Auch Wolf wollte die Funktion des schnellen Astra GTC prüfen. So war es an Jürgen Fritzsche sich um die gute Zeit zu kümmern, was er eindrucksvoll tat. Mit 9:16 Minuten unterbot er nicht nur seine persönliche Bestzeit deutlich, sondern legte einen Puffer von gut drei Sekunden zwischen den Astra auf Platz eins der Klasse SP3 und dem Zweitplatzierten Honda S2000.

Um 12 Uhr passierte die zweite Startgruppe zum ersten Mal im dritten Rennen der Saison die Zeitnahme. Startfahrer Jürgen Fritzsche ging seine erste Rennrunde schlau an, hielt sich aus allem raus und ließ den starken Diesel-BMW ziehen. Das Trio Fritzsche-Fritzsche-Wolf hatte einen klaren Auftrag: schnelle Rundenzeiten bei schonender Fahrweise und aus allem raushalten, um keinen Unfall zu riskieren. Zumindest eine halbe Runde konnte Jürgen Fritzsche den von Stefan Kissling ausgegebenen Plan verfolgen. Dann war Schluss. Der Verschalter vom Vortag zeigte nun sein volles Ausmaß. Im Streckenabschnitt Pflanzgarten rollte der Opel Astra GTC ohne Vortrieb aus, womit das Rennen jäh einen anderen Verlauf als den geplanten nahm. Die ersten Vermutungen des Fahrers, der Schaden liege im Bereich Kupplung oder Getriebe, erwiesen sich nach genauer Prüfung als falsch. Tatsächliche Ausfallursache war eine abgerissene Pleuelschraube, in Folge dessen das Pleuel ein Loch in den Motor schlug und somit dem kompletten Motor den Garaus machte. Damit war der dritte Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft für das amtierende Meisterteam vorzeitig beendet. Der schnelle Kissling-Blitz erhielt einen Schlag und muss nun für den Rest der Saison tadellos funktionieren, schließlich will man bei der Titelvergabe weiterhin ein ernstes Wörtchen mitreden.