Mit dem zweiten Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft wollte Dörr Motorsport einen weiteren Test für das 24h-Rennen absolvieren. Fahrer und Fahrzeuge sollten sich weiter aneinander gewöhnen und Erkenntnisse für weitere Entwicklungsarbeit liefern. Am Ende stand Plan B ganz oben auf dem Programm.
Die Test- und Einstellfahrt am Freitag wollte Dörr Motorsport nutzen, um im gedrosselten Tempo zu rollen und Daten zur Weiterentwicklung des BMW Z4 Coupé einzufahren. Michael Funke saß als erster hinterm Volant und verließ pünktlich um 16 Uhr mit dem weißen Riesen die Boxengasse. Nur wenige Minuten später die Hiobsbotschaft per Funk: Der Wagen brach aus noch ungeklärter Ursache plötzlich aus und landete in der Leitplanke. Eine Bergung war jedoch aus Sicherheitsgründen erst nach dem Ende des freien Trainings möglich. Als der weiße Riese auf dem Rücken des Abschleppwagens die Box erreichte, wurde das Schadenmaß in vollem Umfang ersichtlich und an ein Rennen am Folgetag war nicht zu denken. Vorne und hinten links hatten sich viele Teile in Luft aufgelöst und die verbliebenen waren extrem deformiert. Einpacken, heimfahren, Reparatur beginnen – so die Anweisung der Teamchefs Rainer Dörr und Jörg Ullmann.
Was blieb nach dem freien Training? Ein funktionierender BMW 130i mit den Fahrern Willi Friedrichs (Schalksmühle), Thomas Frank (Stuttgart) und Olaf Hoppelshäuser (Dreieich) sowie drei weitere bis dato „arbeitslose“ Z4 Coupé-Fahrer Marco Schelp (Berlin), Rudi Adams (Ahütte) und Michael Funke (Tönnisvorst). Es wäre aber nicht Dörr Motorsport, wenn sich für die drei autolosen Piloten nicht ein fahrbarer Untersatz gefunden hätte. Kurzerhand orderte der Groß- und Hauptstadtrennfahrer Marco Schelp seinen eigenen Rennwagen auf die Nordschleife. Das alles schreibt sich im Nachhinein einfacher als es war, denn der Bolide stand zum einen in Düderode, zum anderen waren verschiedene Baugruppen des WTC BMW M3 wegen Reparaturen in ihre Einzelteile zerlegt. So war beispielsweise kein auf den starken M3 Motor abgestimmtes Differential verfügbar. Mit fachmännischem Geschick und viel Hingabe zauberten die Mechaniker aus drei Bauteilen ein funktionierendes Fahrzeug. Bis Samstagmorgen zwei Uhr schraubten die Mechaniker am Berliner-Boliden, ehe sie sich auf die Reise in die Eifel machen konnten. Pünktlich zum Zeittraining am Samstagmorgen stand der BMW in der Box von Dörr und wartete auf seinen Einsatz.
Runter vom Anhänger, rauf auf die Piste: Der sonst strahlende BMW von Marco Schelp wirkte ein wenig blass und man konnte erkennen, dass am schnellen M3 bis zur letzten Minute gearbeitet wurde. Zahlreiche Abdrücke fleißiger Mechanikerhände zierten den Boliden und zeugten von einer langen Nacht. Doch selbst die engagierten und geübten Hände der Techniker konnten nicht bis ins letzte Detail feilen. In Ermangelung an Zeit konnte beispielsweise kein Funk installiert und die Karosse nicht auf Hochglanz poliert werden. Doch unterm GFK-Kleid schlummerte die gewohnt hohe Leistung, die den drei Fahrern viel Spaß versprach. Adams, Schelp und Funke gaben im Training alles und stellten den BMW auf einen 34. Startplatz in der ersten Startgruppe. Die eingefahrene Zeit von 8:58 hätte noch vor einigen Jahren für den ersten Platz in der Gesamtwertung gereicht, doch am Samstag reichte es „nur“ für einen zweiten Platz in der Klasse SP6. Den Start übernahm der stolze Wagenbesitzer, Marco Schelp, selbst. Nach Runde acht wurde der BMW in der Gesamtwertung bereits auf Platz 25 geführt, was auch dem Wettbewerb verdeutlichte, dass der Bolide durchaus ernst zu nehmen ist. In der elften Runde wechselten die Fahrer und Rudi „Mr. Nordschleife“ Adams setzte sich hinters Volant des Topautoteile.de-BMW. Nach dem Stint von Schelp sah der Wagen eine Spur mitgenommener aus, denn ein Porschefahrer touchierte das Auto in Folge eines wirklich zu gut gemeinten Ausbremsmanövers. Rudi Adams drehte problemlos seine Runden und konnte Platz für Platz gut machen. In Runde 16 lag der BMW schon auf Platz 20 der Gesamtwertung, doch Mr. Nordschleife kämpfte zunehmend mit Motorproblemen, und seine schnellste Runde absolvierte er in 9:11. Nach acht gefahrenen Runden war für Adams das Rennen beendet und Michael Funke übernahm das Volant des waidwunden BMW, um den Schlussturn unter die Räder zu nehmen. Die Probleme nahmen ungeahnte Ausmaße an und mit seiner schnellsten Runde von 9:24 lag Funke nur knapp unter den Zeiten von Civic&Co. Nach insgesamt 26 absolvierten Runden beendete die Zielflagge die Tortur für Mensch und Maschine. Trotz aller Widrigkeiten erbrachte das schnelle Trio eine phänomenale Leistung: Platz 17 in der Gesamtwertung und ein zweiter Platz in der Klasse SP6. Wenn auch die Technik beim BMW den drei Fahrern eine holprige Fahrt bescherte, schlugen sie sich wackerer als viele Mitstreiter, denn nur neun von zwölf gestarteten Autos der Klasse sahen das Ziel. Selbst ohne den Einsatz heutiger Technik funktionierte das Fahrer-Trio bestens. Den fehlenden Funk ersetzte die Boxentafel, ganz so wie es in früheren Zeiten Standard war! Übrigens: Der Fehler, so die letzte Meldung von Marco Schelp, war offensichtlich ein defekter Kurbelwellensensor. Das Bauteil sorgte auch dafür, dass Michael Funke in der letzten Runde mit sage und schreibe 170 km/h die Döttinger Höhe bewältigte und den Profi so vor einem wahren Geschwindigkeitsrausch schützte.
Das Rennen von Frank, Friedrichs und Hoppelshäuser auf dem BMW 130i in der Klasse SP5 ist schnell erzählt. Während Olaf Hoppelshäuser im Training mit Motoraussetzern haderte und nicht so recht in Schwung kam, hatten Frank und Friedrichs volle Leistung und das Glück der freien Runde. Grund: Den Fahrerwechsel im Training nutzten die Mechaniker, um die Kraftstoffpumpe inklusive Filter zu erneuern. In der sechsten Trainingsrunde sorgte Willi Friedrichs für eine gute Ausgangsposition und stellte den Wagen auf Startplatz 30 der zweiten Startgruppe und den sechsten Rang der Klasse SP5. In der Gesamtstartaufstellung reichte die Trainingszeit von 9:56 für den 116. Startplatz. Routinier Friedrichs fuhr den Start und konnte Runde für Runde die Position verbessern. Dennoch ging er es ruhig an, denn viele Unfälle, viel Schmutz und noch mehr Gelbphasen ließen keine guten Rundenzeiten zustande kommen. In der neunten Runde war für den Schalksmühler Willi Friedrichs das Rennen vorbei und er übergab den Wagen an den Schwaben Frank.
Auf neuen, kalten Reifen ging er in seinen Stint und noch ehe die Pneus auf Temperatur waren, meldete sich der Motor mit heftigem Stottern zu Wort. Im Bereich Schwalbenschwanz brach die Leistung zusammen und sämtliche Warnleuchten des BMW erhellten das Cockpit. Langsam fuhr Frank zur Box, wo die Mechaniker den Wagen einer Diagnose unterzogen und feststellten, dass der Motor zwar heiß, die Kühler jedoch kalt waren. Ein Blick in den Kühlmittelbehälter bestätigte die Vermutung von Rainer Dörr und seinen Schrauber-Mannen: Kompletter Verlust der Kühlflüssigkeit! Vermutlich, so eine erste, vorsichtige Prognose, war die Kopfdichtung den Belastungen nicht gewachsen. Um einen Motorschaden zu verhindern, beendete der Teamchef das Rennen vorzeitig für die drei Fahrer.












