Kissling Motorsport ist auf dem Weg, seine Ankündigung vom Saisonstart in die Tat umzusetzen: Das Trio Fritzsche-Fritzsche-Wolf gewann erneut die Klasse H2 im 9. Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft und steuert nun mit hauchdünnem Vorsprung in Richtung Meisterschaft.
Die Anspannung bei Kissling Motorsport war schon während des freien Trainings am Freitag nicht zu überbieten: Jeder im Team wusste, dass nur ein weiterer Klassensieg von Fritzsche-Fritzsche-Wolf zum Titel in der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft führt. Entsprechend akribisch wurde das Auto zum vorletzten Lauf der Langstreckenmeisterschaft vorbereitet, und die drei Piloten nutzten das freie Freitagstraining lediglich zur Funktionskontrolle sämtlicher Bordsysteme. Entsprechend früh und zufrieden beendete Teamchef Stefan Kissling das Training für seine Mannschaft – der Sauger lief tadellos und auch der Turbo, pilotiert von Hannu Luostarinen und Tom Nack, zeigte nach dem letzten Ausfall keine Schwächen.
Im offiziellen Zeittraining am Samstag sorgten zwei Vorfälle für erhöhten Adrenalinspiegel bei allen Teammitgliedern von Kissling Motorsport. Jürgen Fritzsche meldete per Funk einen Dreher im Streckenabschnitt „Aremberg“. Was war passiert? Fritzsche, so gibt er es später zu Protokoll, war mit einem zu hohen Gang und viel zu schnell am Schwedenkreuz unterwegs, konnte den Wagen nicht stark genug abbremsen, um die Arembergkurve richtig zu erwischen. Der Wagen drehte sich und Jürgen Fritzsche musste über Curb und Grün, um wieder auf den rechten Weg zu gelangen. Da er der letzte Trainingsstarter des Trios war, fuhr er in langsamer Fahrt in die Box und beendete das Training. Mit einer bis dahin gefahrenen 9:21 stand der Sauger von Kissling unangefochten auf Platz eins der Startgruppe – mit mehr als 15 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Der Vorsprung in der Klasse H2 betrug sogar mehr als 23 Sekunden!
Nur kurz nach dem Fritzsche-Dreher kommt auch Hannu Luostarinen unplanmäßig in die Box. Er hatte, so beschreibt der eigentlich schweigsame Finne den Vorfall, Kontakt mit einem langsameren BMW, den er überholen wollte. Laut Luostarinen habe er mehrere Überholversuche gestartet, doch der 1er-Diesel-BMW habe ständig seine Linie gekreuzt. Als Luostarinen eine Lücke sah und die nutzte, zog der BMW nach links und touchierte den Turbo-Astra auf der rechten Seite. Beide Autos von Kissling beendeten danach das Training und wurden einer genauen Inspektion unterzogen, die Mechaniker konnten jedoch keinerlei Schäden feststellen.
Pünktlich um 12 Uhr überquerte die erste Startgruppe die Start-Ziel-Linie und sorgte direkt hinter der Startampel mit einem Unfall für eine gut 30 minütige Gelbphase. Die Startgruppen zwei und drei mussten den Start entsprechend verhalten angehen und überholen war erst ab Höhe Boxenausfahrt wieder erlaubt. Jürgen Fritzsche, der den Start auf dem Sauger fuhr, hielt sich ans Reglement, drosselte seine Geschwindigkeit und erhielt die Quittung bei der grünen Flagge: Drei Autos überholten den Astra mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss und bogen vor dem Opel auf die Nordschleife ein. Die Freude der Fahrer, den Kissling-Astra „versägt“ zu haben, war nur von kurzer Dauer: Schon am Flugplatz schnappte sich Jürgen Fritzsche die Drei und konnte sich schnell und deutlich vom Rest der dritten Startgruppe absetzen. Nach acht Runden steuerte Jürgen Fritzsche die Box an, um den Wagen an seinen Bruder Otto zu übergeben. Auch jetzt lief alles Richtung Routine: Gemäß der Weisung von Teamchef Stefan Kissling ging Otto seinen Stint ruhig an, sicherte nach hinten ab und war darauf bedacht, das Auto am Stück und ohne Blessuren in Runde 17 an den Junioren des Trios, Marco Wolf, zu übergeben. Wolf erhielt die gleiche Weisung wie die Fritzsch-Brüder: Nichts riskieren, nicht schneller als erforderlich und aus allen Querelen raushalten. So fuhr Wolf Rundenzeiten, die nicht seiner Person entsprachen. Immer knapp unter zehn Minuten brauchte er pro Umrundung der Strecke, bevor das Rennen nach 25 Runden für den Opel Astra GTC von Kissling Motorsport durch die karierte Flagge beendet wurde.
Ähnlich ruhig verlief das Rennen für Hannu Luostarinen und Tom Nack. Der Finne übernahm den Start und wurde direkt nach der Unfallstelle von einem japanischen Wettbewerber überholt. Luostarinen machte weder sich noch dem Klassenkonkurrenten Druck, sondern fuhr sein Rennen in Ruhe und auf Abwarten. Eine kluge Entscheidung, denn im elften Umlauf fiel der bis dato Führende aus und das Duo Luostarinen-Nack wurde fortan auf Platz eins der Klasse SP3T geführt. Ab Runde zehn griff der Schwabe Nack für neun Runden ins Volant des Turbos und erledigte trotz aller Widrigkeiten auf der Strecke seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit von Stefan Kissling. Nack hatte den Wagen auf Rang zwei übernommen und ihn auf Rang eins wieder übergeben – mehr war nicht zu verlangen. Die Runden 19 bis 25 übernahm dann wieder Hannu Luostarinen, der das Auto unbeschädigt im Parc Fermé abstellte. Für Kissling Motorsport endete ein weiteres Rennen der Rubrik „Bilderbuch“: Nicht nur das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, sondern auch das ganze Team. Der Astra mit Fritzsche-Fritzsche-Wolf führt die Tabelle an, die Meisterschaft ist zum Greifen nahe und dennoch soweit entfernt!












