Kisslings heißestes Wochenende

Völlige Kissling-Dominanz in den Klassen SP3T und H2 bestimmte das Trainingsergebnis zum 5. Lauf der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft am 26. Mai. Für den schnellen Sauger von Fritzsche-Fritzsche-Wolf lösten sich Siegeshoffnungen in Rauch auf, während die Turbo Version des Astra GTC seinen Wettbewerb schlichtweg deklassierte.

Nach dem technischen Debakel vom vierten Lauf und dem Verlust eines Spitzenplatzes in der Tabelle der Langstreckenmeisterschaft gab es für Kissling-Motorsport und seine meisterschaftsambitionierten Fahrer beim fünften Langstreckenrennen nur eine Devise: Klassensieg in der H2. Während der 14tägigen Pause zwischen beiden Rennen hatten die Mechaniker rund um Teamchef Stefan Kissling genügend Zeit Probleme an der Drosselklappe zu beheben, die den Astra GTC von Fritzsche-Fritzsche-Wolf beim letzten Lauf stoppten. Die Arbeit zeigte schon nach dem offiziellen Zeittraining am Samstag erste Früchte: Der orangefarbene Opel führte nicht nur die dritte Startgruppe mit einem Vorsprung von gut 12 Sekunden an, sondern hatte gleichzeitig auf den Zweiten der Klasse H2 weit über 15 Sekunden herausfahren können. Ein für alle Beteiligten beruhigendes Polster, dass bereits in der vierten Trainingsrunde feststand. Wie immer drehten zwei der drei Piloten nur eine Runde, nur Marco Wolf hängte eine schnelle Runde dran, die für das erwähnte Trainingsergebnis reichte. Und der Turbo? Stammfahrer Josef Klüber verzichtete auf den Start, da er sich gesundheitlich angeschlagen nicht in der Lage sah, den Wagen problemlos durch Training und Rennen zu fahren. Hannu Luostarinen erhielt so Verstärkung durch Teamchef Stefan Kissling. Während Kissling lediglich seine Pflichtrunde drehte, übernahm der schnelle Finne Luostarinen die Platzierungsfahrt und stellte den Wagen auf den ersten Platz der zweiten Startgruppe mit mehr als vier Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten. In der Klasse SP3T zeigte sich ein ähnliches Bild: Fast sieben Sekunden schneller war der Kissling-Turbo als der Klassenzweite.

Spektakulär: Boxenstopp und Aus
Marco Wolf übernahm den Start und sollte nach etwa acht Runden das Auto an Otto Fritzsche übergeben, der wiederum nach weiteren 70 Minuten den Wagen an seinen Bruder Jürgen übergeben sollte. Soweit kam es aber nicht. Schon in Runde fünf meldete Startfahrer Wolf über Funk starken Benzingeruch im Fahrzeug. Schon wenige Minuten später, immer noch in Runde fünf, klagte Wolf über noch mehr Kraftstoffgeruch und in das Fahrzeug eindringenden Sprit. Er erhielt die Weisung die Box anzusteuern, um den Wagen einer Kontrolle zu unterziehen. Den dritten Funkspruch setzte Marco Wolf ab, bevor er die Boxengasse erreichte und teilte mit, dass er mittlerweile nasse Füße vom eindringenden Kraftstoff habe.

Als Marco Wolf vor Box 15 eintraf, warteten Mechaniker, Teamchef und Jürgen Fritzsche bereits. Noch ehe der Fahrer aussteigen konnte, schlugen Flammen aus dem Lüftungsgitter. Jetzt überschlugen sich die Ereignisse. Die Teammitglieder begannen den Brand zu löschen, wobei auch sämtliche Nachbarboxen sich an der Löschaktion beteiligten. Unterdessen versuchte Otto Fritzsche seinem Fahrerkollegen aus dem brennenden Auto zu helfen, was aufgrund starker Rauchentwicklung und meterhoher Flammen schwer fiel. Die Löschversuche schienen Wirkung zu zeigen, der Wagen brannte nicht mehr und Marco Wolf konnte ohne Verletzungen das Auto verlassen. Als einer der Mechaniker die Motorhaube des Astra GTC öffnete, schlug erneut eine meterhohe Stichlamme aus dem Fahrzeug. Immer mehr Feuerlöscher wurden herangeschafft, um die Flammen zu ersticken. Zwischenzeitlich zog eine mächtige Qualmwolke, hervorgerufen von Feuer und Löschmittel, durch die Boxengasse und über die Start-Ziel-Gerade. Insgesamt vier Mal begannen die Flammen nach geglaubt gelungener Löschung erneut zu züngeln und jedes Mal schoss eine riesige Stichflamme aus dem Fahrzeug.

Erst nachdem sieben große Feuerlöscher geleert waren, zeigte das Pulver seine Wirkung und erstickte den Brand. Flugs schoben die Mechaniker den mittlerweile schneeweißen Opel durch die Box. Während ein Teil der Crew mit Reinigungsarbeiten anfing, versuchte der andere Teil die Brandursache ausfindig zu machen und den Fehler zu beheben. Das Rennen zu beenden und wichtige Punkte einzuheimsen; so lautete das Ziel von Kissling-Motorsport. Doch daraus wurde nichts. Stefan Kissling brach die „Rettungsaktion“ ab und ließ den Astra GTC auf den Anhänger verfrachten. Für Fritzsche-Fritzsche-Wolf war auch der fünfte Lauf vorzeitig zu Ende und erneut standen die drei Titelaspiranten ohne Punkte da. Durch den zweiten Ausfall in Folge wurde das Trio nun auf Tabellenplatz 55 durchgereicht.

Unberührt vom Feuer – der Turbo-Sieg
Hannu Luostarinen, der den Start auf dem Opel-Turbo fuhr, zeigte Zuschauern und Wettbewerb, wo Bartel den Most in diesem Jahr holt. Schon in der ersten Runde im Rheinland-Pfalz-Bogen legte er zwischen sich und seine Verfolger eine Distanz von mehreren hundert Metern. Erst einige Gelbphasen brachten den Wettbewerb in eine Situation, die man als Schlagdistanz bezeichnen könnte. Doch der erfahrene und schnelle Finne schaffte es, seine Verfolger zu kontrollieren und den Abstand nicht zu gering werden zu lassen. In Runde elf übernahm Stefan Kissling auf Platz eins liegend die aufgeladene Version des Opel Astra GTC und brannte ein wahres Feuerwerk an schnellen Runden ab. Ohne Probleme vergrößerte sich der Abstand zum Zweitplatzierten zusehends und betrug am Ende über zwei Minuten. Nach acht gefahrenen Runden, in Turn 19, steuerte Kissling planmäßig die Box an, um den Wagen mit Benzin befüllen zu lassen und das Cockpit wieder an Luostarinen zu übergeben. Mit zwei Minuten Vorsprung hätte sich Hannu Luostarinen durchaus einen ruhigen Stint leisten können, doch der Finne drehte weiter Top-Rundenzeiten und fuhr dem Wettbewerb regelrecht „um die Ohren“. Mit über drei Minuten Vorsprung überquerte der orangefarbene Opel Astra nach vier Stunden und einer Minute Fahrzeug die Ziellinie. Übrigens: Die schnellste Runde fuhr der Finne direkt in der Startrunde. In 9 Minuten und 16 Sekunden umrundete er die schönste, längste und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt und verbesserte seinen persönlichen Rekord um satte 5 Sekunden! Mit dem dritten Klassensieg in Folge katapultierte sich Hannu Luostarinen auf Rang 19 der Tabelle der Langstreckenmeisterschaft.