„Verschnupft waren nur wir Fahrer“

Mit einem bilderbuchmäßigen Start-Ziel-Sieg glänzte Schumann-Motorsport erneut auf der längsten Rennstrecke der Welt. Während das Bruderpaar mächtig verschnupft war, zeigte der Huyndai nicht den Hauch einer „Erkältung“.

Von „undurchsichtiger Suppe“ zu reden war zum freien Training am Freitag keinesfalls übertrieben. Auf und neben der Strecke gewährte der Nebel teilweise Sichtweiten von nur wenigen Metern. „Nein,“ so die Antwort von Peter Schumann auf die Frage, ob der Hyundai im freien Training zu sehen sein wird, „bei diesen widrigen Sichtverhältnissen bleibt unser Auto in der Box. Außerdem kämpfen Jürgen und ich mit einer heftigen Erkältung.“ Also versammelte sich die gesamte Schumann-Truppe im Team-Lkw, um warmen Getränken zu frönen. „Wir haben auch keine Vorbereitungen mehr zu treffen,“ erklärte Jürgen Schumann. Diese habe man bereits in der hauseigenen Werkstatt erledigt. Also ließ man den Tag gemütlich ausklingen, und das rasende Brüderpaar versuchte, die laufende Nase in den Griff zu bekommen. „Unsere Erkältung war eigentlich auch schon das Spektakulärste an diesem Wochenende,“ melden sich die Hyundai-Fahrer nach dem Rennen zu Wort.

Die sauerstoffhaltige Luft am Samstagmorgen tat dem Hyundai Coupé offensichtlich besser als Jürgen und Peter Schumann. Kühl und leicht diesig, ohne undurchsichtige Nebelwand, präsentierte sich die Eifel den Teilnehmern zum Training des vorletzten Lauf der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft 2006. „Unser Auto ging heute wirklich extrem gut,“ erklärten die „Schumänner“ ihre Dominanz in der Klasse SP4. Die Hyundai-Mannschaft hat die Klasse fest im Griff, eroberte im Zeittraining den ersten Startplatz und gab diesen bis zum Schluss nicht mehr her. „Fahrwerk, Motor, Getriebe, Chassis – alle Komponenten machten bereits im Training einen erstklassigen Job. Bleibt zu hoffen, dass uns unsere Erkältung keinen Strich durch die Rechnung macht!“

Ein Einsehen hatte die Eifel mit allen Teilnehmern der Langstreckenmeisterschaft – also auch mit dem Hyundai-Team aus Saarbrücken. Zwar riss der Himmel nie gänzlich auf, die Sonne hatte sich scheinbar schon zum Winterschlaf verabschiedet, aber es blieb zumindest trocken. Auch der hohe Sauerstoffgehalt blieb, und so lief der Hyundai auch im Rennen eine gute Ecke schneller als bei Sonnenschein. Bei Schumann-Motorsport blieb nur eine Frage offen: „Was läuft schneller: Unser Auto oder unsere Nasen?“ Definitiv war das Coupé schneller als die Nasen der Saarländer, der Wettbewerb hatte nie eine Chance, an den Hyundai ranzukommen. „Da wir nur zu zweit starteten, mussten wir uns eine Boxenstrategie zurecht legen, mit der wir die Konkurrenz in Schach halten konnten,“ lässt Peter Schumann nach dem Rennen wissen. Sein Bruder ergänzt: „Außerdem lief unser Auto so gut, dass auch der Verbrauch entsprechend hoch war. Wir mussten zweimal die Box ansteuern, um zu tanken. Ob wir dabei auch die Fahrer wechseln, war zum Start des Rennens noch nicht klar.“ An diesem Wochenende mussten die Saarländer auf heimatliche Verstärkung in Person von Christian Hohenadel verzichten. Der bekannt schnelle Mann, ebenfalls aus der Nähe von Saarbrücken stammend, startete im Seat Cup und konnte somit dem Hyundai-Team nicht zur Seite stehen.

Peter Schumann gibt nach dem Rennen zu Protokoll: „Da es meinem Bruder noch schlechter ging als mir, übernahm ich den Start. Ich konnte mich schnell von den Verfolgern absetzen und fuhr ein ‚einsames’ Rennen – ohne Risiko und Brechstange. Nach elf Runden übergab ich den Wagen an Jürgen.“ Der wiederum schaffte nur neun Runden und meinte nach seinem Einsatz: „Die Erkältung hat mir mehr zu schaffen gemacht, als ich dachte. Schon in Runde sieben und acht habe ich meine Kondition schwinden sehen. Da wir ohnehin zweimal stoppen mussten, haben wir entschieden, dass Peter auch den Schlussturn fährt.“ Trotz der Zwei-Stopp-Strategie schafften es die Mitbewerber nicht einmal in Schlagdistanz zu kommen. Peter Schumann fuhr weitere vier Runden, bevor das Rennen nach vier Stunden abgewinkt wurde. Das Resümee der schnellen Brüder aus Saarbrücken: „In unserer Klasse standen acht Autos am Start, die mitunter richtig schnell unterwegs waren. Dennoch konnten wir den Klassensieg mit zwei Runden Vorsprung einfahren. Im Gesamtklassement verbuchten wir einen 25ten Gesamtrang, worauf wir stolz sind.“ Die Saarländer haben erneut bewiesen, dass man auch auf koreanischem Material durchaus schnell und konkurrenzfähig unterwegs sein kann. „Man braucht nicht auf schwäbische oder bayrische Ingenieurskunst zurückzugreifen, um auf der Nordschleife erfolgreich zu sein,“ so das Fazit der Schumann-Brüder, die sich schon jetzt auf das Saisonfinale vorbereiten.