Kleines Problem mit großer Wirkung

Schon vor dem Training sorgte der BMW mit WTCC Karosserie des KYB-Racing Team für Aufsehen in der Boxengasse des Nürburgrings. Für Furore sorgte dann das Trainingsergebnis und das viel zu frühe Aus.

Es war nahezu unmöglich, in der Box des KYB-Racing Team an den neuen BMW ranzukommen. Unzählige Fans der Langstreckenmeisterschaft versammelten sich um das Auto und um Teambesitzer Marco Schelp. „Ich musste mich unzähligen Fragen stellen, die unsere Fans auf Lager hatten“, erklärte Schelp die Situation noch vor dem Training. Gleichzeitig erntete das gesamte Team viel Lob und Annerkennung – auch von den Konkurrenten. Denn schließlich hat das KYB-Team rund um Teamchef Marco Schelp den neuen Wagen innerhalb weniger Tage aufgebaut und ans Laufen gebracht. „In Oschersleben hat der Wagen Leistung und Können bereits unter Beweis gestellt. Jetzt wollen wir mal sehen, wie er sich auf der Nordschleife schlägt“, sagt Michael Bellmann, bevor er sich mit dem noch völlig weißen BMW auf die feuchte Nordschleife begibt.

Selbst bei schwierigen Streckenverhältnissen nahmen die beiden Fahrer Schelp und Bellmann den BMW richtig ran. „Es war“, so beide einstimmig, „schwer, eine echt gute Runde hinzulegen. Lange Ölspuren, viel Schmutz und zahlreiche Autowracks haben alle Teilnehmer immer wieder eingebremst. Erst zum Ende des Trainings besserten sich die Verhältnisse.“ Und dann schaffte es Michael Bellmann, den weißen BMW auf den 23. Startplatz in der Gesamtwertung zu stellen. Marco Schelp und sein Team sind überglücklich, hatte der BMW doch seine erste Feuertaufe schadlos überstanden. Schelp nach dem Training: „Das erste Zwischenziel ist erreicht. Wir haben unsere Rundenzeiten erheblich verbessert, was einzig und allein dem neuen Auto zuzuschreiben ist. Nun müssen wir sehen, dass wir die gute Ausgangsposition im Rennen auch umsetzen und ein gutes Ergebnis erzielen.“ Schelp, Bellmann und die Mechaniker wussten, was auf sie zukommt, denn sechs Stunden sind eine lange Renndistanz.

Pünktlich um 12 Uhr ging Startfahrer Michael Bellmann in die Einführungsrunde. Gleich nach dem Start verbesserte der erfahrene Pilot seine Position. „Ich konnte“, so Bellmann nach seinem Einsatz, „bereits in der Startphase viele Autos überholen und auf die vor mir Liegenden massiv Druck ausüben.“ Was Michael Bellmann unter den zufriedenen Blicken von Teamchef Marco Schelp auch tat. Doch nach der dritten Runde vermisste Schelp seinen Wagen und sah, dass die Startnummer seines Rennautos immer weiter nach hinten durchgereicht wurde. „Im gleichen Moment erhielt ich die Meldung von Michael, dass der Motor kein Gas annimmt und er an der Quiddelbacher Höhe steht.“

Die Mechaniker des KYB-Racing Team schnappten sich eine Menge Werkzeug, unter anderem auch ein Diagnosegerät, und machten sich gemeinsam mit den ortskundigen Brüdern vom Team Tischner auf die Suche nach dem KYB-BMW. Am Ausfallort angekommen fanden die Mechaniker schnell heraus, dass der Fehler in der Elektronik zu suchen war. Mit Hilfe des Diagnosegerätes konnte die Elektronik noch einmal reaktiviert werden. Die Notreparatur reichte zum Leidwesen von Fahrer, Mechaniker und Fans leider nur aus, um den Wagen bis zur Box zu fahren. Dort unterzogen die Mechaniker den Wagen einer genaueren Diagnose und stellten fest, dass der Schaden ein größere Ausmaß hatte als zuerst angenommen. Das Drive-by-wire-System hatte seinen Dienst quittiert. „Mit Drive-by-wire wird die Gaspedalstellung an eine Steuereinheit übertragen, welche alle erforderlichen Parameter an den Motor weitergibt. Im Prinzip handelt es sich um einen „elektronischen Gaszug“, der bildlich gesprochen gerissen ist.“ Gott sei dank, so der Teamchef weiter, sei der Wagen nicht durch einen Unfall ausgeschieden. „Wir hätten am Ende weit vorne stehen können“, glaubt Startfahrer Bellmann zu wissen. Auch wenn der KYB-BMW das Ziel beim 6h-Rennen nicht gesehen hat, so ist man im Team doch sehr zufrieden: „Wir nutzen die kommenden vier Wochen, um die Elektronik standfest zu machen. Ein kleines Problem mit großer Wirkung – wenn dann alles passt, fahren wir voll auf Angriff. Dass der Wagen es kann, hat er bewiesen.“