Nach dem Training war das Team Derscheid Motorsport alles andere als glücklich. Lediglich Startplatz neun sprang für Fahrer und Teamchef Rolf Derscheid und seinen Mitstreiter Michael Flehmer heraus. Im Rennen zeigten beide Zähne und kämpften sich trotz heftiger Regengüsse nach vorne.
Mit einer 10:38 für die knapp 25 Kilometer lange Nordschleife mit Kurzanbindung zählt man wahrlich nicht zu den langsamsten auf der Eifelachterbahn. Und dennoch reichte die Zeit in der stark besetzten Klasse V2 nicht, um ganz vorne zu stehen. „Der schwere Unfall Ausgang des Streckenabschnittes Tiergarten hat unserem Plan einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht,“ erklärte Rolf Derscheid nach dem Rennen und weiter: „Auf neuen Reifen waren wir bis zu diesem Teilstück immer sehr gut unterwegs, konnten aber die Zeit nicht bis über die Ziellinie retten.“ Die Gelbphase im Tiergarten hielt bis zum Ende des Trainings an – das schnelle Duo Derscheid-Flehmer hatte somit keine Chance mehr im Training weitere Startplätze gut zu machen.
Startfahrer Michael Flehmer erledigte seine Arbeit zur vollsten Zufriedenheit seines Teamchefs. Dem Startgetümmel konnte er ohne Blessuren entfliehen und machte sich mit großen Schritten daran, den Wettbewerb einzufangen. „Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn beim Start hatte ich viele, weitaus schnellere Fahrzeuge um mich. Auf den Geraden zogen sie scheinbar unaufhaltsam weg, doch in den Kurven bremsten sie mich aus und nahmen mir jeglichen Schwung,“ beschreibt der 40jährige Flehmer den Start und die darauffolgenden Runden. Selbst vom Rand der Strecke konnte man erkennen, mit wie viel Biss sich der selbstständige Kaufmann Flehmer nach vorne kämpfte. Als Flehmer auf den 318er BMW von Scheibner auflief, entbrannte ein rundenlanger und unsagbar harter Kampf um Rang fünf und sechs. „Hart, fair und spektakulär,“ so beschreibt Startfahrer Flehmer den Kampf. Ein brennender Porsche bremste den Derscheid BMW derart heftig aus, dass dieser den Notausgang über die Wiese nehmen musste und etliche Sekunden auf die Konkurrenten verlor.
In Runde 12 steuerte Flehmer die Box an, um den Wagen seinem Teamchef Rolf Derscheid zu übergeben. Straff organisiert und mit viel Routine absolvierte die Boxenmannschaft den Stopp in rekordverdächtiger Zeit und Rolf Derscheid machte sich auf den Weg, die Konkurrenz abzufangen. Bereits zwei Runden später begann es in manchen Streckenabschnitten heftig zu regnen, und während viele Wettbewerber in der V2 auf Regenreifen wechselten, spielte Rolf Derscheid seine ganze Erfahrung aus und drehte weiter auf Slicks seine Runden. So konnte er pro Runde bis zu 30 Sekunden aufholen, denn viele Streckenabschnitte waren noch trocken oder trockneten schnell ab.
Auf noch nasser Strecke überholte Derscheid den BMW von Schmickler/Strohe. „Es war wirklich sehr anstrengend zu fahren, da stellenweise sehr viel Wasser über die Piste lief. Im Wippermann lag ich auf Rang drei, in Schlagdistanz zum Zweitplatzierten. Mit viel Fingerspitzengefühl ließ ich den Wagen laufen und war bestrebt heftige Lenk- und Bremsmanöver zu vermeiden,“ beschreibt der Teamchef seine Fahrt über die nasse Nordschleife. So konnte er einige Meter zwischen sich und die Verfolger Schmickler/Strohe legen. Was dann kam, glich einem Krimi: Die beiden BMWs folgten sich wie Schatten auf der schnell abtrocknenden Piste und jagten im Zentimeterabstand um die Piste. Ausgang der Arembergkurve begradigt Rolf Derscheid das Ergebnis und fährt die letzte Runde als Zweitplatzierter in Richtung Ziel. Der Teamchef zufrieden nach dem Rennen: „Ich bin mit der Leistung von Michael Flehmer mehr als zufrieden. Er hat das Beste aus der Startposition gemacht und mir eine erstklassige Steilvorlage geliefert. Der Regen hat mir anschließend in die Karten gespielt, denn ich war zeitweise wesentlich schneller als Porsche&Co.“ Auf dem Treppchen strahlten Derscheid und Flehmer um die Wette, hatten sie das schier Unmögliche möglich gemacht und fuhren von Startplatz neun auf zwei vor. In der Gesamtwertung endete das Rennen für Team Derscheid auf Rang 44 – eine reife Leistung, denn schließlich fahren in der V2 die schwächsten Autos der VLN.
Rolf Derscheid, Michael Flehmer und der Rest des Teams freuen sich nun auf das 6h-Rennen Ende August. Dann will das Team Derscheid Motorsport ebenfalls aufs Treppchen und weitere, wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft sichern.












