Der KYB-BMW M3 CSL ist nicht nur äußerst schnell, sondern hat sich bislang auch als standhaft bewiesen. Die Serie wurde im sechsten Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft jäh unterbrochen. Teamchef Marco Schelp und sein Fahrer Michael Tischner genießen den Ruf als materialschonende Fahrer, die dennoch richtig schnell unterwegs sind. Normalerweise sind beide bei jedem Rennen in der Klasse SP6 weit vorne zu finden. Eidneutiger Beweis für Konstanz und Haltbarkeit des KYB-BMW ist das Endergebnis des 24h-Rennen 2006: Platz drei in der Klasse und Rang 17 im Gesamtklassement! Doch beim vergangenen Rennen der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft war alles anders.
Im Training tasteten sich die beiden Fahrer langsam aber sicher an die Zeiten der Spitzengruppe ran. Gerade so schnell, um Kontakt zu halten und dennoch „langsam“ genug, um den Wagen zu schonen. Beim Team KYB spekulierte man auf das letzte Drittel des Trainings, wo noch einmal voll auf Angriff gefahren werden sollte. Jedoch verkalkulierte man sich gehörig: Ein schwerer Unfall im Streckenabschnitt Tiergarten ließ keine richtig gute Rundenzeit mehr zustande kommen. Letztendlich fand sich der CSL auf Startplatz acht in der mit neun Fahrzeugen besetzten Klasse SP6.
Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 30°C übernahm Teamchef Marco Schelp den Start. Runde um Runde schnupfte er seine Konkurrenten auf, und an der Boxenmauer rieben sich die Teammitglieder über die massiv fallenden Rundenzeiten die Augen. Denn schließlich ist der KYB-CSL kein reinrassiger Rennwagen, sondern ein Ex-Serienwagen, mit dem Anfang 2005 noch Sonntags zum Bäcker gefahren wurde. Den Zeitengipfel erreichte Schelp in Runde drei. In 9:25 umrundete er mit dem Serienauto die Kurzanbindung der Grand Prix-Strecke und die Nordschleife. Schelp: „In dieser Runde habe ich gemerkt, dass wir mit dem Material am Ende der Fahnenstange sind. Mehr halten die Serienteile beim besten Willen nicht aus.“
Zwischenzeitlich ist Marco Schelp mit dem KYB-CSL auf Rang sechs in der Klasse und auf den 24. Gesamtrang vorgefahren. „Die ganze Zeit über habe ich Wettbewerber überholt und mir gleichzeitig mit einem Porsche Cayman aus unserer Klasse ein hartes Rennen geliefert. Immer in Schlagdistanz sind wir über den Ring geflogen, bis ich den Cayman in Runde sieben überholen konnte – noch glücklich über den gelungenen Überholvorgang war bei mir urplötzlich alles zu Ende,“ so der Teamchef nach dem Rennen. Mit Topspeed überfliegt Schelp die Start-Ziel-Gerade, als beim BMW plötzlich nichts mehr geht. „An der Ausfahrt des Castrol-S Spitzkehre nahm die Lenkung keine Befehle mehr entgegen und so gings mit blockierenden Rädern ins Kiesbett,“ beschreibt Schelp die Situation noch vor Ort.
In der Box angekommen stellt sich heraus, dass die linke Spurstange abgeschert ist. Die Techniker des KYB-Teams vermuten eine Überlastung der Schraubverbindung: „Wir sind uns sicher, dass die Schrauben der Spurstange sich aufgrund der extremen Belastung gelockert haben und somit eine Scherwirkung entstand. Irgendwann ist dann auch das beste Material am Ende!“ Glück im Unglück hatten der BMW und sein Pilot: Beide strandeten im Kiesbett ohne irgendwo anzuschlagen. „Nicht auszumalen,“ sagt Schelp erleichtert nach dem Rennen, „wenn die Spurstange in der Fuchsröhre abgeschert wäre.“ Auch wenn dem Teamchef der technische Ausfall selbst widerfahren ist, so sind doch beide Fahrer enttäuscht. Michael Tischner kam nicht zum Zuge: „Außer den Trainingsrunden kam ich heute nicht zum Fahren. Schade, denn ich habe gesehen, wie schnell der KYB-BMW ist. Gerne hätte ich das Auto noch weiter vorgefahren. Trotz aller Enttäuschung muss ich sagen, dass ich froh über den glimpflichen Ausgang des Malheurs bin.“
KYB-Teamchef Marco Schelp will mehr, weiß aber auch, dass er mit dem Serienmaterial nicht viel weiter kommt. Fürs 6h-Rennen Ende August plant er den Einsatz eines komplett neuen Fahrzeugs. „Die Technik entnehmen wir dem bekannten CSL, also Serientechnik für Antriebsstrang, bewährte Motorsporttechnik für Achsen und Fahrwerk. Die Karosserie stammt aus der WTCC.“ Der Startschuss ist gefallen. Man darf gespannt sein, ob der neue Rennwagen des KYB-Teams zum nächsten Rennen fertig sein wird und wie er sich dann schlägt.












