Zwei Re-Starts – so was gab es in der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft noch nie! Was dem einen sein Pech, ist dem anderen sein Glück, denn während der Rennunterbrechungen hatte Esser Tuning Nöthen (ETN) genügend Zeit, die technischen Probleme der ersten Runden in den Griff zu kriegen! Belohnt wurde das Engagement mit dem Klassensieg in der H1.
Als Uwe Meuren im Training auf die Nordschleife fuhr, war diese überwiegend nass. „Ich wollte mir anschauen und einprägen, wo die Strecke nass ist“, so der 39jährige Motorjournalist und weiter: „Mein Plan war, in der zweiten Trainingsrunde eine gute Zeit hinzulegen.“ Alles graue Theorie! Während es an der einen Stelle abtrocknete, regnete es an einer anderen. Dennoch fuhr Meuren eine recht passable Zeit, die aber weit hinter den Erwartungen des Teams lag. Erst der zweite Fahrer, Arndt Hallmanns, schaffte es, auf der trocknen Ideallinie eine richtige gute Runde hinzulegen, die für Startplatz 142 reichte.
Den Start übernahm Meuren – so zumindest die Planung. Aber auch hier zeigte sich, dass Motorsport alles andere als kalkulierbar ist. Zwar war der Honda mit neuen Bremskomponenten ausgerüstet, aber dennoch vermisste Meuren schon in der Einführungsrunde die Wirkung der Stopper. „Ich hatte mächtig Probleme, den Wagen bis zum Stillstand abzubremsen. Vor allem dann, wenn das Führungsfahrzeug die Kolonne zusammenführte und den ganzen Tross einbremste.“ Es sollte noch dicker kommen für Meuren und den schwarzen Honda Civic! Ab dem Streckenabschnitt Karusell meldete sich der Wagen mit massiven Vibrationen erneut zu Wort. „Zuerst nur im Schubbetrieb, dann beim Lastwechsel, schließlich auch in den Kurven schlug das Lenkrad wie ein bockender Gaul.“ Meuren entschloss sich den Start über die Boxengasse zu fahren und seinem Team einen frühen Besuch abzustatten.
Gut 30 Minuten dauerte die technische Zwangspause, bevor Arndt Hallmanns seine Arbeit aufnahm. Doch bevor er über die Zeitschleife fahren konnte, brachen die Offiziellen das Rennen ab. Hallmanns steuert den Wagen erneut in die Box, wo sich die Mechaniker intensiv der Bremsanlage widmeten. „Beim ersten Boxenstopp mussten wir zwei Radträger wechseln“, erklärt Teamchefin Carola Esser, „danach haben wir auch Scheiben und Beläge erneuert, obwohl diese neu waren.“ Den wirklichen Grund für die Bremsprobleme wollen Carola und Dirk Esser nach dem Rennen aufspüren.
Mit frisch präpariertem Auto ging Hallmanns den zweiten Start an, der ihm hervorragend glückte. Schnell konnte er zum Klassenprimus aufschließen – zum Überholen reichte die Zeit leider nicht. Erneut zeigten die Streckenposten den Rennfahrern die rote Flagge. Auch Arndt Hallmanns steuerte die Box an und erklärte: „Jetzt läuft das Auto wirklich super. Ich war am Führenden der Klasse dran, schade, dass das Rennen abgebrochen wurde. Im Bereich Kallenhard ist ein Auto übel abgeflogen. Es sieht ziemlich chaotisch aus – rund um den Kurs.“ Soweit die ersten Informationen direkt vom Augenzeugen Hallmanns.
Die Rennleitung entschloss sich, das Feld erneut auf die Reise zu schicken. Und die Chefs von ETN entschlossen sich, Meuren erneut den Start fahren zu lassen. „Diesmal hat’s ordentlich geklappt“, erklärt Meuren nach dem Rennen mit breitem Grinsen. Bereits auf der Start-Ziel-Geraden konnte er zahlreiche Fahrzeuge überholen, schluckte Auto für Auto auf und fuhr konstant nach vorne. Von der Box bekam er kurz vor Schluss die Meldung, dass der Führende der Klasse mit technischen Problemen in der Box steht. Meuren folgt den Anweisungen seiner Chefs und gibt weiterhin ordentlich Gas, um den Abstand zu festigen. Doch die technischen Probleme der Konkurrenz sind derart massiv, dass sie das Rennen beenden ohne das schwarz-weiß-karrierte Tuch zu sehen. Somit hatte der ETN-Civic die Nase vorn und fuhr den zweiten Klassensieg ein. „Es war kein leichtes Rennen. Zum einen die beiden Abbrüche, die an den Nerven aller zehrten. Dann die technischen Probleme, die den Vorwärtsdrang meiner Fahrer einbremsten. Dennoch haben wir uns bis nach vorn gekämpft, mit fairen und legalen Mitteln. Aber allem voran steht die Tatsache, dass bei keinem der Unfälle Menschen zu Schaden kamen.“ Hallmanns und Meuren sind ebenso zufrieden wie die beiden Chefs, auch wenn nach dem Rennen einige kritische Worte gewechselt wurden. „Sowas muss in einem guten und funktionierenden Team erlaubt sein. Wir alle müssen Kritik ertragen – demzufolge dürfen wir auch Kritik verteilen.“












