Licht und Schatten lagen für das MotorSportZentrum Rhein-Rur beim zweiten Einsatz des Teams auf der legendären Nordschleife dicht beisammen. Reifenplatzer, Antriebswellen- und Bremssatteldefekt, Turbolader-Schaden und ein kapitaler Motorschaden – die Liste der unvorhergesehenen und vor allem unverschuldeten Probleme, die Teamchef Robert Richter beim zweiten Lauf der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft auf der Nürburgring Nordschleife führen musste, war lang.
“Zuerst fehlt einem das Glück und dann kommt auch noch Pech dazu” – seinen Humor hatte der während des vierstündigen Rennens arg gebeutelte Teamchef am Ende des Tages wieder gefunden. Vor allem, weil es trotz des Ausfalls zweier favorisierter Fahrzeuge auch Erfreuliches zu vermelden gab: Mit einer grundsoliden Leistung und einer sehr überlegten Fahrweise landeten Matthias Pahlke und Chris Rendlen, die beide zum ersten Mal (!) in der SEAT Leon Langstrecken Challenge an den Start gingen, einen grandiosen Überraschungserfolg und sicherten sich den dritten Platz in ihrer Klasse.
“Unglaublich, damit war eigentlich nicht zu rechnen”, freute sich Matthias Pahlke. “Aber das sind wohl auch die Gesetze der Langstrecke. Wir sind ohne Schaden durchgekommen und hatten außer unseren absolut problemlosen Routinestopps keinen Aufenthalt an der Box wie viele andere. Das hat letztlich entschieden.” Chris Rendlen, zweiter Fahrer im Team, konnte es nach der Zieldurchfahrt kaum glauben – der 25jährige bekam vom DMSB exakt einen Tag vor dem Rennen seine Rennlizenz ausgehändigt und ließ sich als absoluter Neuling erstmals auf das Abenteuer “Grüne Hölle” ein.
Das Damenduo Katrin Droste/Katharina König, die ebenfalls in der “Seat Leon Langstrecken Challenge“ um die Punkte kämpfen, schrammte nur haarscharf an einem Podestplatz vorbei. Innerhalb der ersten 80 Rennminuten arbeitete sich Startfahrerin Kati Droste bis auf Rang 2 nach vorne, bevor sie an ihre Teamkollegin Kathi König übergab. “Das Auto ging gut, lediglich das Lenkrad stand ein wenig schief. Trotzdem bin ich in 9:49 min meine bisherige persönliche Bestzeit auf diesem Auto gefahren“, berichtete die Dorstenerin.
Die Lenkungsprobleme wurden Kathi König wenig später zum Verhängnis: “Das Auto versetzte auf den Bodenwellen stark und nahezu unberechenbar. Prompt bin ich eingangs Hatzenbach rausgerutscht und habe mit dem Heck angeschlagen.“ Nach einer rund 20-minütigen Schleichfahrt zurück zur Box fielen die MSZ-Mechaniker über den lädierten Seat her und reparierten in Windeseile Radaufhängung, Spurstange, Antriebswelle und Bremssattel. Da der Wagen einiges abbekommen hatte, waren noch zwei weitere außerplanmäßige Stopps nötig, bevor Kati Droste – natürlich aussichtslos zurückgefallen – für den Schluss-Turn ins Rennen gehen konnte.
Nach dem Motto “Aufgeben gilt nicht“ fightete die Blondine mit dem malträtierten Leon weiter. “Das Auto war schon ziemlich krumm“, grinste Kati. “Es fuhr nicht wirklich dahin, wo ich hin wollte. Aber ich hatte mich recht schnell mit der Situation arrangiert. Es ging dann bis ins Ziel ganz gut – wenn auch nicht mehr so schnell wie vorher.“
Mit ihrer kämpferischen Fahrt beeindruckte die 21-Jährige auch Teamchef Robert Richter: “Dass Kati das angeschlagene Auto überhaupt ins Ziel gebracht hat, war schon eine tolle Leistung. Aber dass sie damit Zeiten um die 10:10 min fuhr, verdient besonderen Respekt. Schlussrang 5 in der Klasse war zwar am Ende ein schlechter Lohn, aber der Speed stimmt, und das ist das Wichtigste. Mit einem stabilen Auto und etwas Rennglück dürfte für die beiden Mädels auch ein Klassensieg drin sein.“
28.000 Zuschauer entlang der 24,433 Kilometer langen Kombination aus Nürburgring Kurzanbindung und Nordschleife verfolgten bei strahlendem Sonnenschein und fast sommerlichen Temperaturen ein spannendes Rennen, bei dem 138 von 195 gestarteten Fahrzeugen das Ziel erreichten.
Zu den Pechvögeln des Tages zählten Jarkko Venäläinen, der sich seinen Challenge Seat mit Markus Mauer teilte, sowie die beiden Seat Leon Supercopa Piloten Kenneth Heyer und Marcel Laseé, die in einem stark modifizierten und auf über 300 PS gestärkten Seat Leon in der Klasse SP 5 am Start waren. Sowohl Jarkko Venäläinen als auch Kenneth Heyer, der Sohn von Tourenwagen-Legende Hans Heyer, hatten Probleme mit dem Turbolader und mussten ihre Fahrzeuge rund zwei Stunden vor Ende des Rennens abstellen.
“Dass wir nur zwei von vier gestarteten Autos ins Ziel bringen konnten, ist natürlich enttäuschend“, kommentierte Teamchef Robert Richter die Ausfälle. “Trotzdem kann ich mich freuen: In der Challenge haben wir starke Fahrerinnen und Fahrer und haben mit unseren Zeiten gezeigt, dass wir an der Spitze mitfahren können. Auch unser SP 5 Seat ist sicher für die eine oder andere Überraschung gut. Auf Kati und Kathi und vor allem auf die beiden Neulinge Chris und Matthias bin ich richtig stolz. Ihr Kampfgeist und der großartige Überraschungserfolg haben uns voll entschädigt!”












