Trübes Wetter trotz Sonnenschein

Mit dem zweiten Startplatz in der H1 waren die Fahrer des Team ETN, Uwe Meuren und Carola Esser, ganz zufrieden. Dem Klassenprimus dicht auf den Fersen und mit reichlich Abstand auf den Folgenden wollten die beiden ihre Erfolge der vorangegangenen Rennen wiederholen. Die Zeit zwischen Training und Rennen nutzten die Mechaniker zum letzten Check: Neue Bremsbeläge, neue Scheiben, neue Räder und vollgetankt stand der schwarze Civic mit der Startnummer 71 lange vor der Startaufstellung rennbereit in der Box.

Uwe Meuren setzte sich als erster hinters Volant, um die ersten beiden Stunden zu bestreiten. War es am Morgen noch neblig und kühl, so heizte die Sonne pünktlich zum Rennbeginn allen Fahrern und Zuschauern mächtig ein. Auch Meuren wollte einheizen – und zwar seinen Gegnern. Nach der Einführungsrunde nahm der Unterfranke ordentlich Schwung auf die Start- und Zielgerade mit und biss sich am Heck des Führenden in Klasse H1 fest. „Diesmal hat der Start ganz ordentlich funktioniert. Bis zum Hatzenbachbogen konnte ich einige Meter gutmachen. Doch der schnelle Zug, der sich gebildet hatte, wurde von einem langsamen Auto aufgehalten. Alle machten ordentlich Druck auf den Bremser und einer nach dem anderen schaffte es, an ihm vorbeizufahren.“ Bis die Reihe des Überholvorganges an Meuren war, stellten sich jedoch die ersten Probleme einer Serie ein, die alle ETN-Teammitglieder bis zur letzten Runde auf Trab halten sollte. Meuren: „Ich merkte, wie das Fahrzeug auf geraden Vollgasstücken wie beispielsweise von der Quiddelbacher Höhe bis zum Flugplatz unruhig wurde. Fuchsröhre, Kesselchen, Döttinger Höhe – immer das gleiche: Unser Auto schwamm von rechts nach links, ich brauchte die gesamte Fahrbahn, um den Wagen auf der Strecke zu halten.“ In der Vermutung Dreck auf den Reifen zu haben, quälte er den Civic durch die Kurven, um den Pickup loszuwerden. Doch in der darauffolgenden Runde das gleiche Spiel. „Ich habe einen Boxenstopp signalisiert, um die Reifen checken zu lassen.“ Die Pneus zeigten keinerlei Ermüdungserscheinungen, lediglich auf der Innenseite etwas aufgesammelten Gummiabrieb. Carola Esser übernimmt den Wagen früher als geplant.

Doch auch sie muss nach einer Runde die Box ansteuern und hat mit dem selben Problem zu kämpfen wie Uwe Meuren. „Der Wagen,“ so die erfahrene Rennfahrerin, „lässt sich nicht in der Spur halten, schwimmt über die gesamte Strecke.“ Die Mechaniker verändern die Fahrwerkseinstellung und schicken Carola Esser erneut auf die Piste. Die Konkurrenz war zu diesem Zeitpunkt schon über alle Berge und aus eigener Kraft nur schwer abzufangen. Weitere zwei Runden später: Der Civic steht erneut in der Box. Auch jetzt wird das Fahrwerk noch etwas weicher abgestimmt. Mit neuen Rädern versucht Carola Esser erneut Boden gut zu machen, doch die vielen Boxenaufenthalte und das unberechenbare Fahrverhalten haben an ihren Nerven gezehrt. Dann schien der Civic zu laufen, die Rundenzeiten sinken in einen akzeptablen Bereich. Zum ersten Mal scheint Teamchef Dirk Esser einigermaßen zufrieden: „Jetzt funktioniert alles. Carola fährt von Runde zu Runde schneller. Wir haben es wohl im Griff.“ Zu früh gefreut! Nur zwei Runden später hat die Boxencrew von ETN erneut Besuch vom Civic. Carola Esser steigt entnervt aus und übergibt Uwe Meuren den Civic.

Mit einer filmreifen Pirouette nach der Haarnadelkurve hat Uwe Meuren zumindest eine gute B-Note erzielt. Allerdings hat auch diese Aktion das Team nicht wesentlich nach vorne gebracht. „Zwei Runden lief das Auto super. Dann fingen die Probleme an. Ich habe mit aller Gewalt versucht, auf der Ideallinie die Reifen sauber zu halten und zu fahren. Doch irgendwas stimmte mit dem Fahrwerk nicht, den Dreck bin ich einfach nicht losgeworden.“ Drei Runden später steht Meuren erneut an der Box und übergibt völlig entnervt wieder an Carola Esser. „Ich habe das Vertrauen ins Auto verloren. Ständig und überall stehe ich quer, muss versuchen, den Wagen auf der Strecke zu halten und gleichzeitig aufpassen, dass mir kein anderer reinkracht.“ Carola Esser fuhr die beiden letzten Runden in Touristenmanier über die Nordschleife, um in die Wertung zu kommen und den Wagen heil nach Hause zu bringen. Nach der Zielankunft herrschte trotz strahlendem Sonnenschein trübes Wetter, zumindest bei ETN.

Dirk Esser nach dem Rennen: „So was habe ich noch nicht erlebt: Im Verhältnis haben wir heute mehr Boxenstopps gemacht als beim 24-Stunden Rennen. Selbst die Fachleute unseres Fahrwerklieferanten waren sprach- und machtlos. In Sachen Fahrwerk müssen wir jetzt wieder bei Null anfangen. Im letzten Rennen müssen wir unbedingt punkten, damit die Fahrer in der Wertung nicht noch weiter nach hinten durchgereicht werden.“ Uwe Meuren und Carola Esser waren, wie alle im Team mit Latein und Nerven am Ende. Wenigstens beim Zusammenpacken und der Heimfahrt hat alles gestimmt. Glückwunsch an den Sieger der H1 vom gesamten Team ETN.