Es kracht gewaltig, wenn Victor Smolski die Bühne betritt. Der 46-Jährige ist ein musikalischer Tausendsassa. Er komponiert, beherrscht unter andrem die Gitarre und das Keyboard. Smolski bevorzugt die harten Töne und prägte mit der Band ‚Rage’ die Heavy-Metal-Szene – nicht nur in Deutschland. Am ersten August-Wochenende versetzte er mit seiner neuen Band ALMANAC die Besucher des Wacken-Festivals in Ekstase. Nun ist es für Smolski wieder höchste Zeit, sich seiner zweiten Leidenschaft zu widmen: dem Motorsport und speziell dem Nürburgring. Er wird beim sechsten VLN-Lauf in der Klasse SP5 im BMW von Beckers Motorsport an den Start gehen – und setzt sich ambitionierte Ziele: „Ich würde gerne meinen neunten Klassensieg in der VLN holen.“
Smolski kennt sie aus dem Effeff – die Bühnen auf dem Wacken-Open-Air und die Herausforderungen der Nordschleife. Beide Orte besucht er seit 15 Jahren und fühlt sich sowohl im schleswig-holsteinischen Dorf als auch in der Eifel pudelwohl. In der ‚Grünen Hölle’ blieben die Erfolge nicht aus. Neunmal bestritt er das 24h-Rennen, war bei der RCN und VLN aktiv und feierte insgesamt 14 Klassensiege – acht in der VLN. „Das war schon eine intensive Zeit dort. Ich wollte dann mal etwas anderes erleben“, erklärt Smolski, warum er nach dem Klassensieg im Jahr 2013 dem Nürburgring fernblieb. „Ich war auf vielen verschiedenen Rennstrecken, beispielsweise in Russland oder England. Hauptsächlich als Rallye-Fahrer, aber auch als Tourenwagenfahrer oder in der Formel Ford. Ganz besonders aufregend waren die Teilnahmen bei den Baja-Rennen in Mexiko – einer Wüstenrallye. Das war schon sehr extrem. Doch so schön die Erfahrungen auch waren – von der Nordschleife kommt man nicht weg. Das ist der geilste Kompromiss zwischen Rundstrecke und Rallye – beide Elemente sind dort irgendwie vorhanden.“
Wie in der Musik probiert sich der gebürtige Weißrusse auch im Motorsport gerne aus. Ob Mercedes-Benz, Corvette, Porsche oder BMW – Smolski steuerte schon viele unterschiedliche Marken und Typen über die Rennstrecken dieser Welt. „Am Besten passen für mich aber die BMW. Der Porsche GT3 ist beispielsweise auch ein tolles, schnelles Auto. Aber diese Autos haben für meinen Geschmack zu wenig Driftzone. Entweder hat man Grip in den Kurven oder man landet in der Leitplanke. Das ist bei den BMW, die ich gefahren bin, anders. Die geben einem mehr Zeit und Spielraum zu reagieren.“ So verwundert es wenig, dass Smolski bei seinem Comeback auf dem Nürburgring in einem BMW an den Start gehen wird. Mit seinem Team Beckers Motorsport und Chef Günter Beckers arbeitete er bereits in der Vergangenheit gewinnbringend zusammen. „Günther hat ein neues Auto für die SP5 aufgebaut. Er kennt mich gut und weiß, was ich mag. Die Tests liefen gut. Jetzt heißt es volle Attacke. Ich will meinen 15. Klassensieg.“
Bei allem Ehrgeiz geht es dem 46-Jährigen aber vor allem um den Spaß. Ein Grund, warum er seriennahe Fahrzeuge den richtigen PS-Monstern vorzieht. „Ich saß auch in vielen sehr schnellen Autos. Teilweise ist es aber einfach sehr, sehr anstrengend. Man braucht sehr viel Erfahrung mit einem solchen Auto, um an das Limit zu kommen. Meist kommt man zuvor an sein persönliches Limit. Im Cup-Porsche war ich auch unheimlich schnell, aber fahrerisch hat das nicht so viel Spaß gemacht.“
Seit Anfang der 90er-Jahre ist Smolski vom Motorsport-Virus infiziert. Zunächst als Rallye-Pilot. Eines aber störte ihn dabei immer: „Da war die Sache mit dem Beifahrer. Da habe ich mich nicht ans Limit getraut. Wenn ich nur Verantwortung für mich selber habe, klappt das besser. Und wenn ich so an manche Finnland-Rallye denke – mit einer Mordsgeschwindigkeit über die Sprunghügel und dann auch noch das Auto querstellen für die nächste Kurve. Da hat meine Familie auch nur mit dem Kopf geschüttelt.“ Also wechselte Smolski vermehrt auf die Rundstrecke und hat seither einige Parallelen zu seiner Musiker-Karriere festgestellt: „Bei beiden kommt es vor allem auf das Team an. Du kannst beispielsweise noch so gut drauf sein. Wenn der Sound falsch eingestellt ist, beziehungsweise das Setup eines Wagens, kannst du es vergessen. Außerdem ist allerhöchste Konzentration von der ersten bis zur letzten Minute geboten – auf der Bühne und der Strecke. Man darf keine Sekunde lang träumen.“
Besonders Letzteres ist für ihn der Grund, warum sich seine beiden Hobbys so gut miteinander vereinbaren lassen. „Ich kann nicht in den Urlaub an den Strand fahren und abschalten. Da würde ich im Kopf sofort wieder anfangen zu komponieren. Wenn ich aber den Helm aufsetzte, sind alle Gedanken an die Musik fort. Ich bin komplett resettet. Da zählt nur die Attacke. Ein Rennwochenende ist für mich die pure Erholung. Mein Kopf ist wieder frei und ich kann mich wieder auf neue Projekte in der Musik fokussieren. Das ist die perfekte Balance für mich.“













