Thüringen ist unter andrem bekannt für seine Rostbratwurst, die Weimarer Klassik und Schwarzbier. Schon bald könnte eine weitere Spezialität hinzukommen. Der Name: G7RS. Eine kleines Motorsportunternehmen aus der Hauptstadt Erfurt hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt und verwirklicht. In hundertprozentiger Eigenregie hat HTF Motorsport einen handelsüblichen Golf 7 in einen kraftstrotzenden Rennboliden verwandelt – ein Unikat, das sich sehen lassen kann. Nach zwei Jahren Entwicklung ist der silberne G7RS (Golf 7 Rennsport) nun bereit für den ersten Härtetest – den dritten Lauf der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring am 20. Juni.
„Für uns geht es in dieser Saison vor allem darum, den Wagen richtig ans Fahren zu bekommen“, sagt Thomas Fulsche, Leiter des Projekts G7RS und HTF-Firmeninhaber. „Wir wollen bis zum Ende der Saison eine wettbewerbsfähige Pace hinbekommen.“ Wunderdinge sollte man vom Volkswagen – dem einzigen seiner Art – noch nicht erwarten. Doch HTF Motorsport ist mit einer gehörigen Portion Ernst bei der Sache. „Das ist absolut keine Spaßveranstaltung für uns. Der G7RS ist kein Einmal-Projekt. Wir wollen einen konkurrenzfähigen Rennwagen für die VLN haben, der auch für Kunden interessant ist“, sagt Fulsche.
Vor fünf Jahren war die Langstreckenmeisterschaft bei HTF Motorsport noch kein Thema. Das kleine Unternehmen war vor allem im Viertel-Meilen-Rennsektor beheimatet. „Das war kostengünstiger, aber so richtig gepasst hat uns das eigentlich nicht“, so Fulsche. Da kam es gelegen, dass immer mehr Kunden vorbeischauten, die ihre Wagen für die Rundstrecke aufrüsten lassen wollten. Darunter auch VLN-Teilnehmer. Das erste HTF-eigene Auto für die Langstrecke war daraufhin ein Seat Leon Supercopa MK2. Ein aktives Engagement bei der VLN hinter dem Lenkrad kam für Bruder Heiko Fulsche, der Thorsten als Fahrer zur Seite steht, aber zunächst nicht in Frage: „Ich habe mich gescheut, hatte einfach zu viel Respekt vor der Nordschleife“, erzählt Fulsche. 2011 brachte ein Kunde all seine Überredungskunst auf, HTF stieg in die VLN mit ein und Heiko Fulsche übernahm den Platz im Cockpit: „Nach meiner ersten Runde war ich sofort infiziert. Wenn du die Nordschleife einmal gefahren bist, kommst du nicht mehr von ihr los.“ Besonderes i-Tüpfelchen: in seiner ersten Saison holte er mit seinen Teamkollegen auf Anhieb den Cup-Sieg. Der Erfolg spornte an und Fulsche begann einen Golf 5 in Eigenregie für die Langstrecke zu fertigen, der erstmals im Jahr 2012 auf dem Nürburgring zum Einsatz kam.
Während Thomas für die Schrauberarbeit bei den Rennen zuständig war, übernahm Bruder Heiko den Platz im Cockpit. „Zwei Fahrerplätze haben wir immer verkauft, um die Sache zu finanzieren“, schildert Fulsche eine Lösung, die zugleich ein Problem darstellte. Als ein Gastfahrer beim siebten VLN-Lauf 2012 den Seat zu Schrott fuhr, kam der Golf 5 unerwartet früh zum Einsatz. „Wir wurden in der Folge schnell besser und potenter. Daraufhin sind wir noch tiefer in die Entwicklung eingestiegen“, sagt Fulsche. Doch das jähe Ende kam, als erneut ein Gastfahrer den Golf im neunten VLN-Rennen der Saison 2013 in der Fuchsröhre total zerlegte. „Beide Unfälle waren meiner Meinung nach vermeidbar. Wir haben dann beschlossen, das Pay-Fahrer-Business an den Nagel zu hängen.“
Sein neuestes Projekt sollte nicht dem Schicksal fremder Fahrerkünste überlassen werden. Kurz nach dem Erscheinen des Golf 7, Ende 2012, begann Fulsche die Arbeit für den G7RS. Die BEK Autohaus GmbH Thüringen erklärte sich zur Partnerschaft bereit, stellte ein Serienfahrzeug zur Verfügung und die Entwicklung begann. In den folgenden zwei Jahren designte, konstruierte und testete das kleine Team in totaler Heimarbeit. Jedes Teil wurde in der Werkstatt entworfen – von der Karosse über die Aerodynamik bis hin zum Bodykit. Besonders in Sachen Aerodynamik setzte HTF auf Erfahrungen. Jedes Teil wurde von Hand gefertigt. Immer wieder ging es auf die Rennstrecke zum Testen. „Wir haben unsere Erkenntnisse vom Golf 5 mit eingebracht und vertieft. Letztlich merkt der Fahrer, was gut ist – da entscheidet das Popo-Meter. Wir haben keinen Windkanal zur Verfügung, da ist das die beste Lösung“, so Fulsche, der zudem Wollfäden ans Auto klebte, um das Strömungsverhalten des Windes zu analysieren. Bei aller Optimierung sollte jedoch auch der Look nicht zu kurz kommen. Fulsche: „Man sagt ja, alles was aerodynamisch perfekt ist, sieht bescheiden aus. Das haben wir versucht zu umgehen.“
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Was der Fünf-Zylinder-Motor des frontbetriebenen G7RS zu leisten im Stande ist, wird sich am 20. Juni zeigen. Dann geht Fulsche mit seinem Golf in der VLN-Klasse Sp8T an den Start. „Es gibt noch Punkte, die uns möglicherweise Bauchschmerzen bereiten könnten. Wir wollen sehen, was möglich ist.“ Lange wird der Golf jedoch nicht mehr der einzige seiner Art sein. Denn einen Erfolg hat HTF schon vor dem Start am Nürburgring verbucht. „Eine Bestellung haben wir bereits erhalten. Der Wagen wird wohl Ende September fertig sein“, so Fulsche. Und natürlich entsteht auch der zweite G7RS in der Erfurter Werkstatt – in hundertprozentiger Eigenregie.













