Keine Lust mehr auf zweite Plätze

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Erstmalig knackte ein Fahrer auf dem von Marco Schelp eingesetzten WTC BMW die 8:50 Minuten Marke auf der Nürburgring Nordschleife in VLN-Version. Das Husarenstück gelang dem Bad Saulgauer Kfz-Mechaniker Thomas Kappeler. Und dennoch reichte es am Ende nicht ganz für das oberste Treppchen.

Bevor das Berliner Rennteam Rowe-Motorsport mit 3,5 Liter Hubraum und 420 PS an den Start zum 7. Lauf der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft gehen konnte, standen einige Testkilometer im Rahmen der Test- und Einstellfahrt auf dem Programm. Das flotte Fahrerduett Schelp-Kappeler testete neue Komponenten und Einstellungen und merkte alsbald, dass mit dem Getriebe etwas nicht stimmte. Marco Schelp erklärte: „Als die Gänge immer schwerer rein gingen, entschlossen wir uns, vorsorglich das Getriebe zu tauschen.“

Deutlich jünger und leichter
Kühle 8°C herrschten am Samstagmorgen als das Training pünktlich um 8:00 Uhr startete. Deutlich unpünktlicher lief es beim Team Rowe Motorsport. Marco Schelp erklärte lachend: „Wir sind zu spät aus dem Hotel gekommen, dann hatten wir Probleme ins Fahrerlager zu kommen. Anschließend suchten wir den Schlüssel des Team-LKW, in dem sämtliche Rennanzüge und Helme eingeschlossen waren. Dann mussten wir uns umziehen, währenddessen ließen die Mechaniker den Motor warmlaufen. Es lief alles irgendwie quer.“ Der Teamchef ging zuerst auf die Strecke, drehte zwei Runden und kam zufrieden an die Box zurück: Zweimal bewältigte er die Strecke mit 8:58 Minuten. Das Auto lief ganz nach seinen Vorstellungen, das Getriebe arbeitete problemlos und die kühle, extrem sauerstoffhaltige Luft hauchte dem BMW ein bisschen mehr Leistung ein. Doch erst sein junger Fahrerkollege Thomas Kappeler zeigte, was an diesem Morgen wirklich möglich war. In seinen zwei Runden erwischte er offensichtlich den perfekten Umlauf. Mit einer Rundenzeit von 8:49 knackte er die magische Grenze und stellte den BMW auf den dritten Startplatz der Klasse SP6 und auf den 27. Startplatz des gesamten Starterfeldes. Kappeler nach dem Training: „Jetzt passt einfach alles.“ Der Teamchef ergänzt anerkennend und mit einem Augenzwinkern: „Naja, Thomas ist nicht nur 20 Jahre jünger als ich, sondern auch noch 20 Kilo leichter. Daher kommt die gute Zeit. Mit meinen Runden war ich mehr als zufrieden.“

Drei Stopps sind einer zu viel
Wie bereits im letzten Rennen durfte Thomas Kappeler den Start übernehmen. Der Zweitplatzierte der Klasse SP6, der BMW des Team Schmersal, schob sich schnell auf Platz eins und Kappeler konnte seinerseits den ehemals Führenden der Klasse überholen. Auf Rang zwei liegend drehte Kappeler nun konstant schnelle Runden und schaffte es, dem führenden BMW von Schmersal immer mehr auf die Pelle zu rücken – sehr zur Freude seines Teamchefs. Soviel Spaß Kappeler mit Rennen und Auto auch hatte – im achten Umlauf steuerte er die Box an und übergab den BMW an Marco Schelp. Kappeler nach seinem Stint: „Der Start war sehr turbulent, ich wurde von drei Porsche überholt, weil ich versuchte, mich auch allem raus zu halten. Bis ich die Zuffenhausener Fraktion wieder eingefangen hatte, dauerte es etwas, denn die Autos sind auf der Geraden deutlich schneller als wir. Im Allgemeinen hatte ich jedoch eine ruhige Fahrt.“

Marco Schelp setzte unter erschwerten Bedingungen die gute Vorarbeit von Kappeler fort: „In jeder Runde hatte ich eine Gelbphase. Ich fand einfach keinen Fahrfluss und kam nicht richtig ins Rollen. Es ist bekannt, dass im mittleren Stint die meisten Unfälle passieren – das war mein Pech. Überdies sind während des Stopps viele kleinere Autos an uns vorbeigefahren – ich musste mich erneut durch das Feld pflügen, was nicht immer einfach war.“ In Runde 16 stoppte der BMW erneut. Tanken und Fahrerwechsel lautete die anstehende Aufgabe der Boxencrew, die sie sicher und zugleich spielerisch absolvierte.

Junior Kappeler war nun wieder an der Reihe und auf Geheiß seines Teamchefs sollte er das Rennen zu Ende und nach Hause fahren. In Runde 19, als der bis dahin auf Rang eins liegende Schmersal BMW Z4 seinen zweiten und letzten Boxenstopp absolvierte, konnte Kappeler die Führung übernehmen. Das Z4 Coupé von Dörr Motorsport war nach den ersten beiden Stints in ausreichendem Abstand auf Platz drei. Schnell konnte sich Kappeler Luft verschaffen und den Abstand zu Rang zwei vergrößern. In Runde 23 stand der WTC BMW jedoch erneut und zum letzten Mal an diesem Tag vor der Zapfsäule. „Bei unserem dritten Tankstopp hat uns der BMW des Team Schmersal erneut überholt. Auch wenn Thomas alles gegeben hat – es reichte nicht für Platz eins. Die Strategie des Schmersal Teams mit 100 Litern Benzin und 50 kg mehr Gewicht zu fahren und damit nur zwei Tankstopps zu haben, war besser. Dennoch: Dieses Rennen hat alle Motorsport-Register gezogen. Wir mussten rechnen, grübeln und bangen – bis zum Schluss“, resümierte Schelp. Und weiter: „Ich habe es langsam satt, immer nur als Zweiter ins Ziel zu kommen. Jetzt reicht es – wir werden beim nächsten Rennen alles dransetzen zu gewinnen.“