Titus Dittmann, der Vater der deutschen Skateboardbewegung Anfang der Achtziger, bestreitet beim 32. RCM DMV Grenzlandrennen seinen ersten Einsatz in der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring 2009. Zusammen mit seinem Sohn Julius und Dag von Garrel teilt der 60-jährige Unternehmer das Cockpit eines BMW 318iS von Bonk-Motorsport. Im Interview vergleicht Titus Skateboard und Rennfahrzeug und spricht über seinen motorsportlichen Hintergrund.
Welche Gemeinsamkeiten gibt es Deiner Ansicht nach zwischen einem Skateboard und einem Rennwagen?
Ob vier Rollen oder vier Räder – die haben eine ähnliche Funktion. Viel entscheidender ist jedoch, dass sowohl Skateboard als auch Rennwagen erst richtig Spaß machen, wenn man sie bewegt – und zwar im Grenzbereich. Den Grenzbereich zu beherrschen, macht unglaublich viel Spaß und bringt einem unglaublich viel. Man hat das Gefühl, etwas zu können, was nicht jeder kann. Das steigert das Selbstbewusstsein und gibt Identität.
Also sind beide Sportarten ähnlicher, als man denkt?
Beide Sportarten sind nicht nur Sport, sondern auch Lifestyle und die Leute stehen mit Herz und Seele dahinter. Der Motorsport ist das Ausdrucksmittel der Erwachsenen, das Skateboardfahren das der Jugend. In beiden Fällen steht man dahinter und gerade das Skateboard ist für viele über einen gewissen Zeitraum fast eine Ersatzreligion. Aber das ist sicher auch im Motorsport so.
Wie ist Deine motorsportliche Laufbahn?
Ich sitze nun seit 20 Jahren hinter dem Steuer von Rennwagen. Mein Sohn und ich schrauben und fahren zusammen vornehmlich historische Veranstaltungen. Dort pilotieren wir einen 65er Ford Mustang – mit anderen Worten ein DTM-Fahrzeug von 1965.
In der Langstreckenmeisterschaft fährst Du einen BMW 318iS von Bonk-Motorsport. Also ein halber Achtzylinder…
Die Autos haben relativ wenig miteinander zu tun. Das haben wir bei unserem ersten 24-Stunden-Rennen vor vier Jahren gemerkt. Wir waren im Training sowas von langsam, dass wir am Ende fast auf dem letzten Platz in der Startaufstellung gelandet sind. Mit einem 3er BMW in der Serienwagenklasse kann man eh nicht vorne mitfahren. Aber man kann zumindest die Klasse gewinnen. Mit unserem Mustang muss man ungefähr drei Mal so früh bremsen und das Fahrzeug quer stellen, um irgendwie durch die Kurven zu kommen. Wenn man mit dem BMW so früh bremst, steht das Ding auf einmal. Beim Start hatte ich damals unglaublich Glück, denn es hat in Strömen geregnet. Ich dachte: ‚Wieso fahren alle so langsam?‘ Ich konnte überholen und fühlte mich dabei pudelwohl, wenn der Wagen in jeder Kurve quer stand. Der BMW ist im Nassen so zu fahren, wie der Mustang auf trockener Piste. Irgendwann haben wir uns an das moderne Auto gewöhnt und fahren nun relativ passable Zeiten.
Wie bist Du im Fahrerlager unterwegs?
Natürlich mit dem Skateboard. Ich habe extra ein Longboard mit schön dicken und weichen Rollen dabei, um überall gut hinzukommen. Das muss schon sein.
Was macht Deiner Ansicht nach den Reiz der Langstreckenmeisterschaft aus?
Ein Besuch bei einem Rennen auf der Nordschleife lohnt sich immer. Zudem sind die Rennen bei der Langstreckenmeisterschaft genauso locker, wie im historischen Motorsport. Das ist nicht wie bei der Formel 1, wo man für teures Geld drei Minuten lang durch die Box gejagt wird. Man hat den Zugang und den persönlichen Kontakt zu Fahrer und Fahrzeug und darf beim Schrauben zuschauen. Das ist schon eine familiäre Geschichte.
Bist Du vor dem Start aufgeregt?
Im Laufe der Jahre geht das Aufgeregtsein etwas zurück. Im Vorfeld bin ich überhaupt nicht aufgeregt. Aber kurz vor dem Start steigt dann doch der Adrenalinspiegel und man hat Lampenfieber. Wie bei einem Künstler, der nach zehn Jahren hinter der Bühne steht und immer noch Lampenfieber hat. So ähnlich geht’s uns auch. Das ist mit das schönste Gefühl.
Mit welchem sportlichen Ziel gehst Du beim Grenzlandrennen an den Start?
Das kann ich schlecht sagen. Beim 24h-Rennen haben wir, wenn das Auto durchgehalten hat, ganz gut abgeschnitten. Zwei Mal sind wir auf Platz drei gelandet und da sind wir schon verdammt stolz drauf.













