Auf das falsche Pferd gesetzt

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Marco Schelp (Berlin) ging als Doppelstarter in das 6h-Rennen im Rahmen der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring. Er startete auf dem BMW Z4 Coupé von Dörr-Motorsport und auf seinem eigenen Auto – beide Fahrzeuge fahren in der Klasse SP6. Dabei bekam er zu keiner Zeit Gewissenskonflikte, denn sein Credo: „Immer alles geben“ setzte er auf beiden Fahrzeugen um, wurde aber nur mit einer Zielankunft belohnt.

Sechs Stunden alleine in der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring lässt weder das Reglement noch die Kondition zu. Also holte sich Teamchef und Fahrer Marco Schelp alte und schnelle Bekannte an Bord des ehemaligen WTC-BMW. Thomas Kappeler (Bad Saulgau) und Donal Molenaar (Eemdijk / NL) griffen schon beim diesjährigen 24h-Rennen in das Wildlederlenkrad von Schelps BMW und sie sollten ihn auch bei der 6h-Mission tatkräftig unterstützen. Der Niederländer Molenaar haderte im Training etwas mit dem Auto und erklärte danach: „Das Auto ist irgendwie anders als beim 24h-Rennen. Motor und Getriebe sind in Ordnung, aber das Fahrverhalten ließ einige Wünsche offen.“ Auch Thomas Kappeler zweifelte nach dem Training an der richtigen Fahrwerkseinstellung und meinte: „Das Auto geht gut, aber das Fahrwerk ist nicht optimal eingestellt. In der Pause zwischen Training und Rennen müssen wir eine andere Einstellung finden.“ Als letzter ging Marco Schelp ins Training und kehrte nach einer Fahrt ohne Biegen und Brechen zurück in die Box. Auch der Teamchef hatte etwas mit dem Fahrwerk zu kämpfen und gemeinsam mit den Technikern von KK Automobile suchte man nach einer anderen Einstellung. Die schnellste Runde konnte im Training Thomas Kappeler mit 9:02 Minuten drehen. Damit fand sich das Trio auf dem zweiten Platz der Klasse SP6 wieder – hinter dem BMW Z4 von Dörr Motorsport!

Grip – mal viel, mal wenig
Den Start durfte der Junior im Team, Thomas Kappeler, übernehmen. Mit viel Fahrspaß, was eindeutig auch von außen zu sehen war, drehte er seine Runden ohne den guten Trainingsplatz zu verlieren. Stets auf Rang zwei der Klasse liegend, fuhr er ein munteres Rennen, ehe nach gut 45 Minuten absolvierter Distanz ein heftiger Regenschauer niederging. Unbeeindruckt vom Wetter fuhr Kappeler sein Rennen, ehe er in Runde sieben das Auto an die Box steuerte, um es an Donald Molenaar zu übergeben. Nach seinem Einsatz erklärte Kappeler: „Das hat echt Spaß gemacht, aber wir sind alle etwas verrückt. Ich habe trotz des Regens nur wenig Speed raus genommen. Die Quittung erhielt ich auf der Döttinger Höhe: Bei Tempo weit über 200 km/h schwamm das Auto plötzlich auf und ich war nur noch Passagier. Auf den heftigen Einschlag wartend, rutschte ich mit der Front an der Leitplanke entlang bis zum Stillstand. Danach konnte ich meine Fahrt fortsetzen. Lediglich Stoßfänger und Kühlergrill wurden dabei beschädigt.“ Der Holländer Molenaar, unterwegs ohne Wohnanhänger, setzte die nahezu problemlose Fahrt von Kappeler fort. Im strömenden Regen, bewaffnet mit Regenreifen, fuhr auch er munter seine Runden und nach zwei Stunden führte die Rennleitung das Trio auf Rang 19 der Gesamtwertung, von Platz 32 ging der WTC-BMW ins Rennen! Molenaar nach seinem Einsatz: „Hat das Spaß gemacht! Ich hatte Grip ohne Ende und die Fahrwerkseinstellung hat nun auch gepasst. Kein Vergleich zum Training. Ich bin in meinem Stint nur einmal überholt worden – den Rest der Zeit habe ich überholt. Das Auto und die Reifen haben sich perfekt ergänzt.“

Einen Platz verloren, aber Platz eins in Sichtweite
Nach insgesamt 15 absolvierten Runden übernahm Kappeler von Molenaar den WTC BMW, die Boxencrew montierte auf Geheiß des Holländers erneut Regenreifen. Diese Entscheidung stellte sich als Fehler raus: Nach nur zwei gefahrenen Runden musste Kappeler die Box ansteuern, um sich einen Satz profillose Reifen abzuholen. Bei dieser Gelegenheit tankten die Mechaniker das Auto des Team ROWE-Motorsport voll, um allen Eventualitäten vorzubeugen. In Runde 25 stand der WTC-BMW erneut an der Box: Jetzt sollte Teamchef Schelp die Sensation perfekt machen, denn der auf Rang eins liegende Wettbewerber musste wegen technischer Probleme die Segel streichen und der Hauptstadtrenner lag fortan auf Rang eins. Es war jedoch nicht der Tag des Teamchefs, denn Schelp musste sich den Angriffen des Zweitplatzierten beugen: „Ich war unglaublich müde, denn die Fahrt im Regen hat richtig geschlaucht. Auch wenn das Auto problemlos und gut lief – mit meiner Leistung bin ich nicht zufrieden.“ Ab Runde 33 saß erneut Kappeler hinterm Volant und gab ordentlich Fersengeld. Runde für Runde rückte er dem neuen Führenden der Klasse auf die Pelle und brachte ihn richtig in Bedrängnis. Doch bevor Kappeler zum Überholmanöver ansetzen konnte, beendet die schwarz-weiß karierte Flagge um 18:00 Uhr das sechs Stunden Rennen. „Der letzte Turn ist richtig gut gelaufen, das Auto ging zum Schluss sensationell. Ich konnte ordentlich Boden gutmachen, hatte zum Führenden der Klasse sogar schon Sichtkontakt. Am Ende konnte ich bis auf 1,47 Sekunden ran fahren. Hätte das Rennen eine Runde länger gedauert, wäre der erste Platz sicher gewesen. Aber auch Platz zwei ist mehr als zufrieden stellend.“ Marco Schelp: „Das ganze Team hat wieder erstklassig funktioniert und brillante Arbeit geleistet. KK Automobile hat den Wagen perfekt vorbereitet und bei jedem Stopp perfekt gearbeitet. Über die Leistung der Fahrer muss ich eigentlich kein Wort verlieren: Beide waren grandios unterwegs und haben mehr als einen guten Job gemacht. Der zweite Platz geht in Ordnung und ist verdient. Und: Es wäre sogar Platz eins möglich gewesen, wenn ich meinen Stint besser hinter mich gebracht hätte und wir einmal in der Reifenwahl nicht danebengegriffen hätten.“

Und Schelps zweites Einsatzauto? „Auf dem Z4 Coupé bin ich den Start gefahren und als es zu tropfen begann, bin ich sofort in die Box gefahren. Reifen und Fahrer wurden gewechselt. Bis dahin hatte ich ein gutes Rennen, auch wenn ich die Platzierung zunächst nicht halten konnte. Aber durch den frühen Stopp sind wir anschließend weit nach vorne gekommen. Leider fing gegen Ende des Rennens das Auto Feuer. Pech für mich: Vorm Rennen habe ich mich entschieden, die Coupé-Punkte mitzunehmen. Da es ausgefallen ist, bekomme ich keine Punkte. Man kann nicht alles haben – Halbzeitmeister und Sommerpausen-Meister wäre zuviel des Guten gewesen!“