Motorprobleme am Freitag trieben Teamchef Peter Matthes und Technikchef Andreas Matthes große Schweißperlen auf die Stirn: Um keinen großen Schaden zu riskieren, hätte das Team unverrichteter Dinge abziehen müssen. Wäre da nicht die Konkurrenz gewesen, die dem Team ein Ersatzauto stellte.
Die Saison begann für das Meininger Motorsport Team Matthes alles andere als verheißungsvoll: Im ersten Rennen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft fiel das Team mit Motorproblemen auf Rang eins der Klasse V2 aus. Im zweiten Rennen bereits 14 Tage später, folgte die Wiedergutmachung und Matthes gewann die Klass V2. Entsprechend enthusiastisch begann das Team, sich mit seinen Fahrern Werner Schlehecker und Michael Jestädt auf das Rennen vorzubereiten. Zunächst jedoch stand die vorgeschriebene Leistungsprüfung auf dem Programm, in deren Zuge auch der Motor frisch „verplombt“ werden sollte. Das Messergebnis hätte jeden Tuner zu Freudentränen gerührt, Andreas Matthes hatte indes Tränen der Wut in den Augen: Die Motorleistung lag leicht über der Toleranzgrenze. Dem Motor auf die schnelle Leistung rauben, ohne einen großen Schaden zu riskieren, war nicht möglich. Frustriert machte sich das gesamte Team Matthes daran, seine deutlich mehr als sieben Sachen zu packen, als die Konkurrenz in Person von Rolf Derscheid eine praktikable Hilfestellung einfiel: Das Team Matthes aus Meiningen übernahm kurzerhand den Ersatz- und Testwagen des Team Derscheid! Der Wagen wurde aus der Derscheid-Werkstatt in Rösrath abgeholt, erhielt ein neues Feuerlöschsystem und wurde über Nacht einer großen Inspektion unterzogen. Zum Zeittraining am Samstagmorgen stand das Matthes Motorsport mit dem Auto des Team Derscheid am Start.
Hoffnung auf Platz vier mit Platz zwei belohnt
Werner Schlehecker eröffnete am Samstagmorgen das Training für Matthes Motorsport, drehte drei Runden, um sich an das Auto zu gewöhnen. Jedoch hatte er keine freie Runde, wurde durch Unfälle immer wieder eingebremst und musste sogar einmal den Notausgang über die Wiese nutzen, um nicht in der Leitplanke zu enden. An eine gute Zeit war bei Schleheckers Training nicht zu denken. Etwas mehr Glück hatte Michael Jestädt in seinem Turn: Auch er drehte drei Runden, wobei er ein freie erwischte und prompt Bestzeit fuhr. Mit einer Zeit von 10:26 Minuten stand das Ersatzauto von Derscheid unter der Nennung von Matthes am Ende auf dem dritten Startplatz der Klasse V2.
Der Start war für Schlehecker alles andere als gut: Ein weit auseinander gezogenes Feld ließ zwischen den Teilnehmern der Klasse V2 große Lücken klaffen, so das Routinier Schlehecker zwar seinen Platz halten, nicht aber zum vor ihm liegenden Derscheid-BMW aufschließen konnte. Schlehecker nahm es gelassen, drehte weiter seine Runden und konnte den Abstand auf die Verfolger stetig ausbauen. Indes musste der Führende der Klasse V2 mit einem Reifenschaden die Box ansteuern, Schlehecker überholte ihn und fuhr weiter auf Position zwei, ohne Platz eins erreichen zu können und zu wollen. Als er in Runde 13 mit dem Derscheid-Ersatzauto die Box ansteuerte, um das Auto seinem Kollegen Michael Jestädt zu übergeben, betrug der Abstand auf die Verfolger bereits mehrere Sekunden. Insgesamt zehn Runden standen nun für Jestädt auf dem Programm, die er tadellos absolvierte und den zweiten Rang nach hinten absicherte. Scheinbar mühelos kontrollierte Jestädt den Abstand zum Verfolgerfeld und erhöhte bei Bedarf das Tempo, um den alten Abstand herzustellen, wenn ihm der Drittplatzierte zu nahe kam. Schon zur Rennhälfte war klar, dass Rang eins nur über den Ausfall des Team Derscheid zu erreichen war – das jedoch wünschte niemand von der Matthes Truppe dem Helfer in Not. Am Ende blieb es für das sympathische Team aus Meiningen beim zweiten Platz im dritten Rennen. Damit sicherte sich das Duo Schlehecker / Jestädt wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft, wo beide auf Rang 66 von knapp 1 000 registrierten Fahrern liegen.
Peter Matthes, Teamchef: „Mein Dank gilt in erster Linie dem Team Derscheid, das uns unbürokratisch wirklich erste Hilfe geleistet hat. Mit dem dritten Auto von Rolf und Andrea Derscheid bot sich zunächst nur die Möglichkeit mitzufahren, um eventuell Punkte zu sammeln. Dass es am Ende gar für Rang zwei reichte – damit hätte wirklich niemand gerechnet. Die Fahrer haben gezeigt, dass unser Klassensieg im zweiten Rennen nicht auf ein schnelles Auto, sondern auf ihr Können zurückzuführen ist. Sie haben sich schnell mit dem Wagen angefreundet und konnten so passable Rundenzeiten abliefern. Nur wenig Worte gibt es über die Boxencrew zu verlieren: Alle haben tadellos, schnell und präzise gearbeitet. Nochmals mein Dank und Glückwunsch für den verdienten Klassensieg ans Team Derscheid!“













