Fußballer haben’s leicht: Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten und Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Motorsport ist viel komplexer. Die Sportgeräte zum Beispiel sind so unterschiedlich, dass es verschiedene Klassen geben muss. Außerdem zielt der Sport ja gerade darauf ab, über sich selbst hinauszuwachsen, was immer wieder Anpassungen im Regelwerk erfordert. 2009 ist es wieder einmal so weit: Im deutschen Langstreckensport gibt es ein neues Reglement, das auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre reagiert und den Kreis der Teilnehmer kräftig durchwirbelt.
Trotzdem bleiben BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring und das ADAC Zurich 24h-Rennen natürlich das, was sie immer waren: Events für jedermann. Für den großen und kleinen Fan ebenso wie für die Amateure und für die Profis. Privatiers treten gegen Werke an, kleine und wendige Tourenwagen fighten im Umfeld bulliger, mächtiger GT-Fahrzeuge. Ein solches Konzept der ‚professionellen Spielwiese für Alle’ erfordert vor allem eins: Chancengleichheit für alle Beteiligten. Darauf basiert das neue Technikkonzept. Die Modifikationen zielen im Wesentlichen darauf, mehr Fahrzeugen Chancen auf den Gesamtsieg zu eröffnen und das Rennen weiterhin für eine möglichst große Zahl von Marken und Fahrzeugen offen zu halten.
Die Luft macht’s
Möglichst bunt und vielfältig soll es künftig an der Spitze zugehen. Fahrzeuge aus verschiedenen Klassen, unterschiedlicher Marken, differierender Hubräume und diverser Karosserieformen sollen die Chance auf den Gesamtsieg bekommen. Eine schwierige Aufgabe, die die Technikkommission aus ADAC Nordrhein, VLN und der deutschen Sporthoheit DMSB zu absolvieren hatte. Ihr wichtigster Beschluss: das starre Gewicht, das bislang für jede Hubraumklasse vorgeschrieben war, weicht diversen anderen Eingriffen, die den Teams und Herstellern jedoch genügend Spielraum bieten. Die nun vorgeschriebenen Airrestriktoren sind in ihrer Luftdurchflussmenge zum Beispiel an ein frei wählbares Fahrzeuggewicht gekoppelt, auch das Tankvolumen wird hierbei von den neuen Regeln berücksichtigt.
Als Faustformel lässt sich festmachen: Wer ein leichtes Auto an den Start bringt, muss kleine Restriktoren und weniger Tankvolumen akzeptieren. Der Umkehrschluss ist logisch: Ein schwereres Auto fährt mit größerem Luftmengenbegrenzer und mehr Spritkapazität. Dieses Wechselspiel beeinflusst natürlich extrem die Beanspruchung der Reifen auf der höchst anspruchsvollen Nordschleife. Die Teams haben die Qual der Wahl. Als zusätzlich regulierendes Element wird die Durchflussmenge beim Tanken limitiert. Hier wird den größeren Fahrzeugklassen wegen ihres höheren Verbrauchs auch eine größere Durchflussmenge zugestanden.
Mit dabei: GT3
Die Fans an der Strecke wird vor allem die Fahrzeugvielfalt freuen, die noch einmal erhöht werden konnte. Durch die neu eingeführten Klassen SP9 für GT3-Fahrzeuge und SP10 für GT4-Fahrzeuge wird der Start zusätzlicher hoch attraktiver Autos ermöglicht, die zum Kreis der siegfähigen Teams zu zählen sind. Trotz oder gerade wegen dieses neuen Regulativs bleibt der Geist des ADAC Zurich 24h-Rennens und der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring erhalten, möglichst vielen unterschiedlichen Fahrzeug-Konzepten eine faire Chance zu bieten.
Doch auch wenn die Expertenkommission, die das neue Reglement erarbeitet hat, hochkarätig besetzt ist, eines wissen die Regelmacher schon heute: Die neuen Regeln sind nicht in Stein gemeißelt. Schon bei den ersten Rennen der Langstreckenmeisterschaft dürfte es Anpassungen geben. Bei einer Vielzahl von Parametern, die die Leistung der Fahrzeuge beeinflussen, können jederzeit die Stellschrauben angezogen werden, falls es sich im Sinne der Chancengleichheit als notwendig erweisen sollte.
Quelle: ADAC Nordrhein Report













